Pressespiegel:

  • 29. September 2011
Am 29. September erschien in der Zeitung Neue Westfälische:

Medizinische Fakultät Thema im Landtag



Heute steht CDU/FDP-Antrag zur Abstimmung


VON LOTHAR SCHMALEN


Bielefeld/Düsseldorf. Im Düsseldorfer Landtag steht heute ein Antrag der Oppositionsparteien CDU und FDP zur Abstimmung, der erneut den Aufbau einer eigenständigen „Medizinischen Fakultät OWL“ an der Bielefelder Universität fordert.


Schon seit mehr als anderthalb Jahren wird über das Thema diskutiert. Vor allem die früheren Minister Andreas Pinkwart (FDP) und Karl-Josef Laumann (CDU) hatten sich für die Einrichtung einer medizinischen Fakultät in Bielefeld eingesetzt. Nachdem die CDU/FDP-Landesregierung bei der Landtagswahl im Mai 2010 aus dem Amt gewählt wurde, waren die Chancen für eine eigenständige neue Fakultät in Bielefeld gesunken.


Inzwischen favorisiert die rotgrüne Landesregierung ein Kooperationsmodell zwischen der Universität Bielefeld und der Ruhr-Universität Bochum. Bei dieser Kooperation sollen an der medizinischen Fakultät in Bochum 60 zusätzliche Studienplätze eingerichtet werden. Die klinische Ausbildung des Ärzte-nachwuchses soll dann an der Bielefelder Universität und an hiesigen Krankenhäusern erfolgen. Dazu sollen auch entsprechende Professorenstellen in Bielefeld eingerichtet werden.


Ein Gutachten hatte die Kosten für eine Medizinische Fakultät in Bielefeld für 200 Studenten mit 140 Millionen Euro beziffert. Die laufenden Kosten einer solchen Fakultät in Bielefeld sollen danach 45 Millionen Euro im Jahr betragen, darunter 20 Millionen Euro an Personalkosten für insgesamt 320 Stellen, darunter 27 Profesoren. Dagegen wurden die Gesamtkosten für das Kooperationsmodell Bielefeld/Bochum mit lediglich 15,7 Millionen Euro beziffert (die NW berichtete).


Der Vorsitzende des Ausschusses für Arbeit, Soziales und Gesundheit im Landtag, der Bielefelder SPD-Landtagsabgeordnete Günter Garbrecht, hatte das Kooperationsmodell damals als „eine Chance für die Region“ bezeichnet. Entsprechende Gespräche zwischen Bochum und Bielefeld seien inzwischen abgeschlossen, sagte Garbrecht gestern. Und er sagte voraus, dass der CDU/FDP-Antrag heute erst einmal zur Weiterberatung an den Wissenschaftsausschuss und an den Sozialausschuss verwiesen werde.


Hintergrund der Debatte um eine Medizinische Fakultät an der Uni Bielefeld ist der für die Zukunft befürchtete Mangel an ärztlicher Versorgung im Raum Bielefeld. So heißt es in der Begründung des CDU/FDP-Antrages, in den kommenden 15 Jahren würden in Ostwestfalen-Lippe jährlich 1.100 Ärzte in den Ruhestand gehen. Demgegenüber würden lediglich ca. 750 Neuzugänge erwartet. Die Zahl der Medizinstudenten in NRW ist zwischen 2001 und 2010 von 17.155 auf 15.467 gesunken. „NRW braucht definitiv mehr ausgebildete Ärzte. Dafür müssen ausreichend Studienplätze zur Verfügung gestellt werden. Sie sollten wegen des besonderen Versorgungsproblems vornehmlich in Ostwestfalen-Lippe geschaffen werden“, heißt es in dem Antrag, der von den beiden Fraktionsvorsitzenden Karl-Josef Laumann (CDU) und Gerhard Papke (FDP) unterschrieben ist.