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  • 19. Oktober 2011

Pflegenotstand in NRW vorbeugen

Ausbildungsplätze in der Altenpflege werden ab 2012 um bis zu 1.500 Stellen erhöht

Zur aktuellen Diskussion über die notwendigen Veränderungen in der Versorgung pflegebedürftiger Menschen erklärt der Vorsitzende des Ausschusses für Arbeit, Gesundheit , Soziales und Integration (AGSI), Günter Garbrecht MdL:
Vom ausgerufenen "Jahr der Pflege 2011“ ist wenig zu spüren. Selten ist ein so groß angekündigtes Projekt so kläglich gescheitert. Die Bundesregierung zerlegt sich in der Frage der Pflegeversicherung selbst. Leidtragende dieser Hinhalte-Politik sind die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen, die dringend auf die Pflegereform warten.

 

 

 



Die Regierung kann sich bei der Pflege, wie auch in den meisten anderen Politikfeldern, nicht einigen. Sie ist vollkommen ergebnislos im Sand ihrer eigenen Widersprüche gestrandet.

So führt die Regierung die Pflegereform in eine Katastrophe. Das "Jahr der Pflege" ist zu einem Desaster geworden.

Erst jetzt fällt der Koalition ein, dass sie anscheinend mehr Expertise benötigt und beruft den Pflege-Beirat, der bis zum Jahr 2009 gearbeitet hat, wieder ein. Dies klingt nach einer weiteren Maßnahme, um Zeit zu gewinnen, denn die Vorschläge des Beirats zur Überprüfung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs liegen bereits seit 2009 auf dem Tisch.

Bedarf von qualifizieren Pflegekräften unstrittig

In einer alternden Gesellschaft steigt zwangsläufig der pflegerische und medizinische Betreuungsbedarf Die erkannte Notwendigkeit, die Ausbildungen der Kranken- und Altenpflege im Rahmen einer generalisierten Ausbildung zusammenzuführen, müssen endlich auch in konkrete Umsetzungsschritte seitens des Bundes münden.
Das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung (dip) Köln hatte auf Grundlage der Landesberichterstattung Gesundheitsberufe 2010 berechnet, dass Ende 2010 in NRW nahezu 3.000 Absolventinnen und Absolventen in den Pflegeberufen fehlten. Der Schwerpunkt liegt im Bereich der dreijährigen Altenpflegefachkraftausbildung: Es wurden rund 2.500 Altenpflegerinnen und Altenpfleger zu wenig ausgebildet.
Wir in NRW handeln
„Die im Koalitionsvertrag der Landesregierung vereinbarte Umlagefinanzierung in der Altenpflegeausbildung wird eingeführt! Dadurch soll die Zahl der Ausbildungsplätze in der Pflege um bis zu 1500 erhöht werden. Derzeit befinden sich in NRW rund 11.800 Altenpflegeschülerinnen und -schüler in der dreijährigen Altenpflegefachkraftausbildung. 2011 finanziert das Land die Ausbildungen in der Pflege mit 34,7 Millionen Euro.
„In der Anhörung des AGSI vom 12.10.2011 stimmten von den Gewerkschaften über die Wohlfahrtsverbände bis hin zu den privaten Trägern alle Teilnehmer dem Ziel einer umlagefinanzierten Altenpflegeausbildung in NRW zu“, so der Ausschussvorsitzende Garbrecht.
Ab 2012 werden alle Pflegeeinrichtungen in Nordrhein-Westfalen entsprechend ihrer Größe (Zahl der beschäftigten Pflegefachkräfte/betreute Personen/geleistete Pflege stunden) in einen Ausbildungsfonds einzahlen. Wer ausbildet, bekommt die Ausbildungsvergütung vollständig aus dem Fonds erstattet. „Dadurch setzen wir einen starken Anreiz für mehr Ausbildung“, so der Abgeordnete.
Außerdem wird der von den Pflegeeinrichtungen und ambulanten Diensten beklagte Wettbewerbsnachteil ausgeglichen. Derzeit stelle die Finanzierung der Ausbildung für die Ausbildungsbereitschaft der Einrichtungen ein erhebliches Hemmnis dar. Zwar könnten in der Pflege bereits heute die Ausbildungsvergütungen über die Pflegesätze refinanziert werden. Die dadurch im Vergleich zu nicht ausbildenden Einrichtungen höheren Pflegesätze stellten aber einen Wettbewerbs-nachteil auf dem Pflegemarkt dar. Dieses Problem haben die Einrichtungen auch bei der im Rahmen der Landesberichterstattung Gesundheitsberufe 2010 durchgeführten Befragung zurückgemeldet. Rund 15 Prozent der befragten Einrichtungen gaben sogar an, zukünftig weniger ausbilden zu wollen, da die Kosten für Ausbildung die Tagessätze erhöhen.

„Die Umlage ist ein wichtiger Schritt, aber sie kann nur ein Baustein von vielen gegen den Fachkräftemangel sein", betont Günter Garbrecht.
Wir werden an der Einführung einer gemeinsamen Kranken- und Altenpflegeausbildung festhalten. Insofern betrachten wir die Einführung der Umlagefinanzierung in der Altenpflegeausbildung nur als Zwischenschritt.
Wir wollen eine Erhöhung der Attraktivität der Pflegeberufe auch durch eine akademische Ausbildung sowie die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und des Personalmanagements in den Pflegeeinrichtungen
„Gute Pflege kostet auch Geld“, ist sich Garbrecht sicher. „Qualitativ hochwertige und würdevolle Pflege braucht gut ausgebildete Fachkräfte, die auch dementsprechend entlohnt werden müssen“, so Garbrecht abschließend.