Pressespiegel:

  • Bielefeld, 16. April 2012

Mit Kraft auf Tuchfühlung

LANDTAGSWAHL: Ministerpräsidentin findet engen Kontakt zu den Bielefeldern

Kaum angekommen, ist sie schon mittendrin. Allein die ausgerichteten Mikrofone der TV-Teams helfen auszumachen, wo sich Hannelore Kraft gerade aufhält. Bei ihrem Besuch in Bielefeld am Wochenende geht die Ministerpräsidentin mit den Menschen auf Tuchfühlung.


Hätte nicht Günter Garbrecht seinen Arm um ihre Schultern gelegt und sie gegen den Strom der Menge geführt – Kraft hätte wohl Stunden für den Weg vom Jahnplatz bis zum Stand der SPD in der Niedernstraße benötigt. Dank der Unterstützung schafft sie es in 30 Minuten.


Es ist die vierte Station ihrer Wahlkampftour durch NRW an diesem Tag. Der Politikerin mit dem grauen Mantel und dem offenen roten Schal ist noch keine Müdigkeit anzusehen. „Ich bin gekommen, damit möglichst viele wählen gehen“, wiederholt sie immer wieder. Und: „Ich bin gern in Bielefeld, und das öfter.“


Dass sie hier gern einkaufen geht, so plaudert sie weiter, die Hochschulen am Ort außerordentlich gut findet und dass sie sich nichts mehr wünscht als den Sieg ihrer Partei am 13. Mai.


Zum Mundharmonikaspiel der 75-jährigen Ulrike Teherani stimmt sie ein: „Kein schöner Land in dieser Zeit“. Dem Arbeitslosen Dirk Loest („Ich habe mich von Hartz IV veräppelt gefühlt“) hört sie zu und gesteht: „Wir machen als Politiker auch Fehler.“ Der Lehrerin Najla Mejri stellt sie „irgendwann“ einen Job in Nordrhein-Westfalen in Aussicht. Die junge Frau fand mit ihrer Fächerkombination Englisch und Mathematik nur in Niedersachsen Arbeit.


Hannelore Kraft spricht den Menschen Mut zu, klopft auf Schultern, streichelt sogar den putzigen Ibi, ein der Rasse der Shelties zugehöriges Hündchen, das ihr Edith Habel entgegenhält. Es ist wie beim Besuch einer guten Freundin.


Griffig formuliert sie ihr politisches Progamm. Neben dem Chef der SPD-Bundestagsfraktion, Frank-Walter Steinmeier, der aus seiner Heimat Lippe angereist kam, wendet sie sich über Mikrofon an Hunderte Zuhörer, die sich in die Fußgängerzone drängen: „Eine Zahl lässt mich nicht schlafen. 2020 werden bei uns 630.000 Fachkräfte fehlen.“ Dieses Problem sei nicht durch Zuwanderung zu lösen. „Wir müssen in Kinder und deren Ausbildung investieren.“ Es gebe viel zu tun. Unterstützung erhält sie von Steinmeier, der die Bielefelder aufforderte, für Krafts Sieg mitzukämpfen.


Auf dem Weg zum Bus, in dem sie mit 40 Journalisten durchs Land gefahren ist, verrät sie, ihre Füße seien nun doch müde. „Grüß die Genossinnen und Genossen“, ruft sie dem Unterbezirksvorsitzenden Marcus Lufen und übertönt das Brummen des Busmotors.