Pressespiegel:

  • Bielefeld, 16. April 2012

Die Kampagne kommt ins Rollen

LANDTAGSWAHL: Hannelore Kraft wirbt um Stimmen für die SPD – mit prominenter Unterstützung und ganz nah am Bürger


Gelsenkirchen, 12 Uhr mittags. SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft und Generalsekretärin Andrea Nahles schieben sich händeschüttelnd und Genossen herzend zum Podium. Für Kraft ist es bereits die zweite Station an diesem Tag.


Mit einem Reisebus voller Journalisten tourt Kraft durch NRW, um „mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Ich wollte keine großen Kundgebungen. So bin ich nun mal.“ Vor Ort springt ihr die bundespolitische Prominenz zur Seite.


In Gelsenkirchen gibt sich Kraft kämpferisch: „Wir gehen mit klarer Kante in den Wahlkampf.“ Nein zur Zeitarbeit, nein zum Steuerabkommen mit der Schweiz und ein „klipp und klares“ Nein zu Steuersenkungen. Stattdessen der Verweis auf bereits Erreichtes: „Wir haben den Koalitionsvertrag zu Zweidrittel erfüllt.“ Die SPD wolle weiter in die Frühförderung investieren, dem Fachkräftemangel entgegenwirken und die Aufstiegschancen für junge Menschen erhöhen. Und immer wieder: „Ich verspreche nichts, was ich nicht halten kann.“ Es wird das Mantra des Tages.


Nahles ist indes für die verbalen Breitseiten verantwortlich: „Das Betreuungsgeld ist totaler Schwachsinn. Warum sollte man für etwas bezahlt werden, dass man nicht in Anspruch nimmt?“ Schließlich stünde der Ausbau der Kinderbetreuungsplätze ganz oben auf der SPD-Agenda. In Richtung Herausforderer Norbert Röttgen (CDU) kalauert sie: „Wir in Berlin opfern uns. Wir sind gern bereit, Röttgen noch für ein Jahr als Minister zu behalten. Ihr habt ihn nicht verdient.“ Applaus von der Gelsenkirchener Basis.


Die Rollen sind auch in Münster und Bielefeld klar verteilt. Während Kraft über Bildung, die kommunalen Finanzen spricht und für die CDU diplomatische Worte übrig hat („Bis jetzt war es eine gute inhaltliche Auseinandersetzung“), sind Nahles, Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier für die Breitseiten zuständig. Den CDU-Vowurf, Kraft sei „Schuldenkönigin“, rechnet sie um: „Man darf das nicht absolut sehen. Die Pro-Kopf-Verschuldung zählt. Da ist NRW als bevölkerungsreichstes Land im guten Mittelfeld.“ Nach den Reden das Bad in der Menge. Kurze Begegnungen, knappe Antworten. Eine 25-jährige Wirtschaftsstudentin ist wenig beeindruckt: „Klar wirkt sie sympathisch. Sie muss ja Stimmen sammeln.“ Krafts Antworten wirkten auf sie einstudiert. „Warum sollte ich Frau Kraft bitten, sich um einen Arbeitsplatz zu kümmern? Das muss ich schon selbst machen.“ Die Studentin tendiert zu den Piraten.


Überhaupt, diese Partei. Zurück im Bus auf der Straße nach Münster, konfrontiert mit den Journalistenfragen, ob die Freibeuter ernst zu nehmen seien: Auch da bleibt Kraft ganz die Neutrale. „Es sieht so aus, dass sie die Fünf-Prozent-Hürde schaffen. Allein deswegen muss man sie ernst nehmen.“ Inhaltlich sehe die Sache noch anders aus. „Sie müssen sich erst zu den Themen positionieren.“ Wieder diese Rollenverteilung. Kraft macht Inhalte, die anderen Parolen. Denn Nahles war kurz zuvor noch deutlicher: „,Fluch der Karibik‘ ist ein schöner Film – mehr nicht.“ An der Wunschkoalition mit den Grünen gibt es für die SPD nichts zu rütteln.


In Münster ist Peer Steinbrück bei Krafts Ankunft in einen verbalen Schlagabtausch mit einem jungen Passanten verwickelt. Zwei Pulks schieben sich darauf durch die engen Straßen. Einmal Kraft, händeschüttelnd, Stimmen heischend. Einmal Steinbrück, diskutierend, belehrend, streitbar.


Ein junger Student spricht ihn auf Europa an. „Warum ist Europa nur mit dem Euro denkbar?“ Steinbrück nimmt sich Zeit. „Der Rückschritt in nationales Denken ist nicht diskutabel“, schließt er. Der junge Mann bleibt hartnäckig, doch als Kraft dazutritt, wieder das alte Bild: Kurze Fragen, gute Zusprache und auf zum Nächsten.


Der Zeitplan ist eng, Bielefeld steht noch auf dem Plan. Dort erwartet Frank-Walter Steinmeier den Tross. Eine Pro-SPD-Ansprache, dann Rosen für die Wähler in der Fußgängerzone. Am Donnerstag fährt der Bus dann durch OWL. „Eine politisch wichtige Region“, sagt Kraft. Ein letztes Winken, Fotos und wieder ab auf die Straße.


Knapp vier Wochen sind es noch bis zur Landtagswahl. Höchste Zeit für die Parteien, auf Stimmenfang zu gehen. Die SPD setzt auf die Straße: Im vollbesetzten Pressebus tourt Spitzenkandidatin Hannelore Kraft durchs Land. Von Mühlheim ging’s zum Wahlkampfauftakt über Gelsenkirchen und Münster nach Bielefeld. Im Schlepptau hatte sie nicht nur einen wohlsortierten Journalistenpulk, sondern auch prominente Fürsprecher aus der Bundesspitze ihrer Partei. Inhaltlich ging es um ihre Lieblingsthemen: Bildung, Chancengleichheit, NRW als Wirtschaftsstandort. „Hannelore will mit den Menschen sprechen“, sagt ihr Tourmanager. Wiebke Eichler hörte den Gesprächen zu.