Pressespiegel:

  • 16. April 2012
Am 16. April 2012 erschien in der Zeitung Westfalen Blatt:

Auf Du und Du mit der Landesmutter


Von Hans-Heinrich Sellmann
und Bernhard Pierel (Fotos)
Bielefeld (WB). Bielefelds neuer SPD-Chef Marcus Lufen macht Samstagnachmittag trotz einiger kleiner Regentropfen gar keinen Hehl daraus: »Dass Hannelore Kraft zum Auftakt des Straßenwahlkampfs zu uns kommt, ist ein absoluter Glücksfall.«

Knapp zwei Stunden später sieht er sich bestätigt: »Ich bin begeistert. Es war genau das richtige Konzept. Sie hat sich Zeit genommen, auch wenn's mal länger dauerte.« Die Spitzenkandidatin der Sozialdemokraten für die Landtagswahlen am 13. Mai zeigt der Basis während ihres Kurzbesuchs in Bielefeld, wie Wahlkampf gemacht wird.
Als Hannelore Kraft leicht verspätet um kurz nach 17 Uhr aus ihrem Bus am Jahnplatz steigt, bildet sich gleich eine Menschentraube um die Frau, die wieder Ministerpräsidentin werden will. Zur Zielgruppe gehören diese ersten Interessierten jedoch nur bedingt. Die meisten haben Kameras, Mikrophone und Stenoblöcke dabei. »Mit einem solchen Medienaufgebot hatte ich nicht gerechnet«, sagt Marcus Lufen, der Mühe hat, zu dem prominenten Gast vorzudringen.
Der Auftakt zur heißen Phase des nordrhein-westfälischen Wahlkampfs wird ganz besonders beäugt. In ihrer Heimatstadt Mühlheim war Kraft morgens schon, anschließend führte die Route über Gelsenkirchen und Münster nach Bielefeld. Und auch am Teuto das gleiche Bild wie überall: Hände schütteln, Smalltalk, das eine oder andere Erinnerungsfoto mit dem Smartphone. Hannelore Kraft geht auf die Menschen zu, ob die das wollen oder nicht.
Der kleine Owen (8) wird in die Mitte gedrängt, muss im Blitzlichtgewitter erzählen, dass er gerne rennt und Fußball spielt. Sympathiepunkt für die Kandidatin. Auch wenn sich der Junge anschließend schwer tut, sein Erlebnis einzuordnen.
Ulrike Teherani, die Frau mit der Mundharmonika, ist da schon forscher. Sie stimmt »Kein schöner Land in dieser Zeit« an, und Kraft singt textsicher mit. Das Eis ist gebrochen. Andere Passanten trauen sich jetzt, auch kritische Fragen zu stellen. Dirk Loest will wissen, wie die Arbeitslosigkeit in den Griff zu bekommen ist. Die Politik habe da schon einiges umgesetzt, bekommt er zu hören. Aber handwerkliche Fehler seien sicherlich auch gemacht worden. »Natürlich nicht von ihr«, ergänzt Loest nach dem Gespräch.
Speziell mit den älteren Damen hat Hannelore Kraft leichtes Spiel. Anita Beckemeier, seit 40 Jahren SPD-Mitglied, ist begeistert - nicht nur wegen des Autogramms, das die Kandidatin in ein etwas abgegriffenes Buch direkt neben das von Rut Brandt schreibt: »Ich wähle Hannelore Kraft, weil die NRW wieder nach vorne bringt.«
Auf dem Weg die Niedernstraße hinauf wird viel gelacht. Und angesichts der weiblichen Charmeoffensive müssen die Herren Schritt halten, nicht abgeschüttelt zu werden - selbst der prominente Begleiter. »Ist das nicht der Steinmeier?« fragt eine Passantin. Ja, ist er, Frank-Walter mit Vornamen. Der Mann, der vielleicht Bundeskanzler werden will, hilft Hannelore Kraft vor einem Abstecher zu seinen Eltern über die Straße. »NRW bleibt sozialdemokratisch, Hannelore Kraft bleibt Ministerpräsidentin. Das ist Ehrensache für uns Westfalen«, sagt ausgerechnet der Lipper.
Die Anschubhilfe für die Bielefelder Kandidaten geht bei so viel Prominenz etwas unter. Regina Kopp-Herr, Georg Fortmeier und Günter Garbrecht sind es, die ein Großteil der 600 roten Rosen an die Passanten verteilen. Fortmeier ist dennoch zufrieden: »Die Stimmung ist großartig. Und darum geht's heute.« Die Stimmen sollen dann am 13. Mai folgen.
Kurz vor Ende des Bielefeld-Abstechers trifft Hannelore Kraft auf Christina Rau, nimmt die Begegnung mit der Witwe des früheren Ministerpräsidenten als gutes Omen mit in den Bus und verabschiedet sich. Nur für ein paar Tage. Donnerstag, Freitag und Sonntag ist sie wieder in der Region. Es war ja erst der Auftakt des Wahlkampfes.

Artikel vom 16.04.2012