Pressespiegel:

  • Bielefeld, 08. Mai 2012
08. Mai, die Neue Westfälische berichtet

Bielefeld pfeift auf Pro NRW

Vor der Vatan-Moschee: 14 Rechtsextremisten treffen auf 800 Gegendemonstranten


Auf der einen Seite 14 rechte Extremisten, auf der anderen Seite 800 Bielefelder, die gegen Rechts auf die Straße gehen. Vor der Vatan-Moschee in Brackwede trafen gestern beide Seiten aufeinander, mittendrin die Polizei, die mit starken Kräften im Einsatz war.


Sonntagabend: Polizei und Staatsschutz sind an der Windelsbleicher Straße unterwegs.


Montag, 0 Uhr: Pro NRW reicht ein Eilverfahren beim Verwaltungsgericht Minden ein: Die Rechtspopulisten klagen gegen das Karikaturenverbot des Innenministers.


10 Uhr: Rund 300 Demonstranten erreichen die Vatan Moschee – darunter viele Schüler der Gesamtschule Rosenhöhe. Trotz Bedenken der Bezirksregierung wollen drei 7. Klassen ein Zeichen setzen. Auch ein 12. Jahrgang der Gesamtschule Stieghorst ist da.


10.20 Uhr: Klaus Rees, Mitorganisator der Gegen-Demonstration, spricht zu den inzwischen 500 Anwesenden. „Wir sind für ein friedliches und gemeinsames Miteinander.“ Der Vorsitzende des Integrationsrates, Yasin Sever, spricht auch zu den Rechten, die erst in etwa 40 Minuten erwartet werden: „Wir bleiben hier und stehen auf, bis die Rassisten endlich aufhören, nach Bielefeld zu kommen.


10.55 Uhr: Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts wird bekannt: Pro NRW darf die umstrittenen Karikaturen zeigen.


11 Uhr: Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Rainer Wend hat Verständnis für die Entscheidung: „Ich bin auch für die Meinungsfreiheit. Aber hier geht es um Aggressionen und Provokationen. Das widert mich an.“


11.05 Uhr: An der Arnsberger Straße – etwa 100 Meter von der Moschee entfernt – sind zwei Deutschlandfahnen der gerade angereisten Pro NRW-Aktivisten zu erkennen. Ein Riesen-Pfeifkonzert ertönt. Die Menschen skandieren „Nazis raus!“ und „Haut ab!“.


11.10 Uhr: Pappbecher fliegen in Richtung von Lars Seidensticker, der die Pro NRW-Kundgebung angemeldet hat und der sich nun den Gegen-Demonstranten nähert.


11.20 Uhr: Einer der Rechten will die Absperrung überwinden und Flyer verteilen – und wird von der Polizei gestoppt.


11.35 Uhr: Die Lautsprecher-Anlage ist angeschlossen. Die Polemik der Rechten geht in den Rufen und im Trommelwirbel unter. Mehmet Sabanci vom Moschee-Verein hat ebenfalls zwei Deutschland-Fahnen organisiert. Unter dem Jubel der inzwischen 800 Anwesenden zeigt er: „Wir sind alle Deutschland.“


11.45 Uhr: Erst jetzt hat sich bis zu den rechten Extremisten herumgesprochen, dass sie vor Gericht Recht bekommen haben – sie zeigen die Zeichnungen und Bilder und werden gnadenlos ausgepfiffen.


12.05 Uhr: Die Demonstranten skandieren: „Ihr könnt nach Hause gehen!“


12.20 Uhr: Pro NRW spielt die Nationalhymne, dann ist der Spuk endlich vorbei.


12.25 Uhr: Erleichterung beim Moschee-Verein. Mehmet Sabanci: „Wir freuen uns, dass alles friedlich abgelaufen ist.“ Die Rechten hören es nicht mehr, sie sind bereits wieder auf der Autobahn – in Münster wartet die nächste Provokation samt Kundgebung.