Pressespiegel:

  • 14. Februar 2013
Am 14. Februar 2013 erschien in der NW:

Apotheker werfen Ministerin Blockade vor

Scharfe Kritik der Verbände
VON PETER STUCKHARD


Paderborn/Münster. Die NRW-Apothekerverbände und -kammern sind in den Ring gestiegen. Ihr Gegner: die Landesregierung. Die will die Ausbildung von pharmazeutisch-technischen Assistenten (PTA) nicht länger finanziell fördern. In einem Brief an Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) werfen Kammern und Verbände Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) zudem eine Blockadehaltung bei der Suche nach Alternativen vor. Klaus Michels, Chef des Apothekerverbands Westfalen-Lippe, aus Salzkotten sagte dieser Zeitung, mit dem Ende der Förderung rücke auch das Ende der PTA-Ausbildung in NRW näher: „Da droht Kahlschlag.“ Seit Jahren wollten die Apotheker die Ausbildung der PTA an bereits bestehende Berufskollegs verlagern. Die wären, meint Michels, bereit, angehende PTA aufzunehmen. Dem verweigere aber das Schulministerium seine Zustimmung – obwohl, so die Apotheker in dem Brief an Kraft, „auf der Fachebene des Ministeriums die Vorteile einer solchen Lösung erkannt und sogar ausdrücklich befürwortet“ worden seien.


Schulministerin Löhrmann verweigere sich aber jedem Gespräch, weil es „überflüssig“ und die Integration der PTA-Ausbildung an den Berufskollegs „politisch nicht gewollt“ sei. Eine Stellungnahme des Ministeriums dazu war am gestrigen Aschermittwoch nicht zu bekommen.


Der Bielefelder Abgeordnete Günter Garbrecht (SPD), Vorsitzender des Gesundheitsausschusses, spricht sich für die Übernahme der Ausbildung in das duale System aus. Die Kosten dafür sollten, so Garbrecht, die Apotheker über eine Ausbildungsumlage tragen, weil „die Erstausbildung kostenfrei sein muss und die Umlage nicht den Ruin der Apotheker bedeutet“.


Der Paderborner Landrat Manfred Müller (CDU), der auch für die Gesundheitsversorgung im Kreis Paderborn zuständig ist, sieht auch regionale Risiken, wenn die Ausbildung zur PTA an der Paderborner Schule sich verteuert. „Wir haben die Sorge“, so Müller, „dass der radikale Schnitt der Landesregierung in der Zukunft zu Engpässen bei der Versorgung mit Fachkräften führt.“ Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass es weniger junge Leute geben wird, wer-de es auch einen verschärften Wettbewerb um den Nachwuchs geben.


Wenn durch einen höheren Eigenanteil die Ausbildung unattraktiver werde und nicht einmal eine Alternative angeboten werde, führe diese „ruckartige Veränderung“ zu Verwerfungen, die auch die Paderborner Schule beträfen. „Wir treten dafür ein“, so Müller, „dass es die Schule auch in Zukunft gibt.“ Sie sichere die Ausbildung „zu einem Beruf, der besonders geeignet ist, Familie und Erwerbstätigkeit zu vereinbaren“.