Pressespiegel:

  • 14. Januar 2013
Am 14. Januar 2013 erschien in der NW:

Jedes fünfte Krankenhaus in NRW steckt in der Krise

Politik

Jedes fünfte Krankenhaus in NRW steckt in der Krise
Betreiber klagen über verschärfte finanzielle Situation

VON SANDRA SPIEKER


Bielefeld. Immer mehr Krankenhäuser stehen vor dem Ruin. Etwa ein Drittel der 2.040 Kliniken in Deutschland schreibt rote Zahlen, heißt es im neuen Krankenhaus-Barometer des Deutschen Krankenhaus Instituts (DKI). In Nordrhein-Westfalen, so schätzen Experten, ist jede fünfte Klinik betroffen – besonders die kleineren Häuser.


Trotz stark steigender Kassenausgaben für Klinikbehandlungen hat sich die Wirtschaftslage deutscher Kliniken laut der DKI-Umfrage unter 245 Einrichtungen (ab 50 Betten) deutlich verschlechtert. Jedes dritte Krankenhaus hat 2011 Verluste geschrieben, 2010 waren es noch 21 Prozent. Bei fast 60 Prozent der Krankenhäuser gingen die Umsätze zurück.


„Die Lage hat sich in den vergangenen drei Jahren deutlich verschärft“, sagt Georg Rüter, Geschäftsführer der katholischen Hospitalvereinigung Ostwestfalen, und verweist auf milliardenschwere Kürzungen sowie hohe Personal- und Sachkostensteigerungen im Vergleich zum Budget. Zudem würden Lohnerhöhungen zeitversetzt wirksam. Rüter: „2013 wird also noch einmal deutlich schwieriger.“ Hinzu komme, dass NRW in Sachen Investitionsmittel für Klinken bundesweit absolutes Schlusslicht sei. „Kliniken in Bayern bekommen im Vergleich etwa doppelt so viel an Zuweisungen“, erklärt Rüter. Nach Schätzungen sei in NRW jedes fünfte Krankenhaus von einer Pleite bedroht, sagt ein Sprecher des Marburger Bundes. In der Region wurde gerade erst die für Sommer geplante Schließung des Standortes Rheda des Klinikums Gütersloh bekannt.


In der prekären Lage würden insbesondere auch Zahlungsverzögerungen seitens der Krankenkassen die Kliniken hart treffen, sagt die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG). „Zwei Drittel aller Krankenhäuser in Deutschland sind davon regelmäßig betroffen“, so die DKG. So seien Außenstände von 1,1 Milliarden Euro zusammengekommen. Die Gesellschaft forderte die Koalition auf, den Krankenhäusern finanziell zu helfen. Die AOK sprach sich hingegen für Reformen auf dem Kliniksektor aus. Der Kassenverband kritisierte, dass jedes fünfte Klinikbett leer steht und Deutschland gleichzeitig darunter leidet, dass zu viele unnötige Operationen vorgenommen werden. Nach dem jüngsten Krankenhaus-Report des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) sind öffentlich-rechtliche Kliniken durchschnittlich öfter von einer Pleite bedroht als freigemeinnützige oder private. Auch stecken demnach kleine Krankenhäuser eher in roten Zahlen als mittelgroße oder große.


Laut Günter Garbrecht, SPD-Landtagsabgeordneter aus Bielefeld, sind die Krankenhäuser in Ostwestfalen-Lippe im Landes- und Bundesvergleich solide aufgestellt: „Die Kliniklandschaft ist hier nicht so zerklüftet wie etwa im Ruhrgebiet.“ Die Einrichtungen hätten sich den neuen Anforderungen gestellt und sinnvolle Zusammenschlüsse gebildet.


Auch in OWL ist ein – wenn auch moderates – Kliniksterben zu verzeichnen: Existierten 2000 noch 51 Krankenhäuser, waren es 2011 laut IT.NRW noch 39. Die Zahl der Krankenhausbetten ging im gleichen Zeitraum von 15.190 auf 12.900 zurück. Die Anzahl der stationär behandelten Patienten stieg dagegen von gut 414.000 auf etwa 453.000.