Pressespiegel:

  • 20. Juni 2013
Am 18.6. erschien in der Neuen Westfälischen:

Modellhaftes für Migranten im Rentenalter

Ministerin besucht Projekt an Rostocker Straße / Land will Masterplan für Versorgung von Senioren

Lokales

Modellhaftes für Migranten im Rentenalter
Ministerin besucht Projekt an Rostocker Straße / Land will Masterplan für Versorgung von Senioren

Brackwede (SL). Weg vom grünen Tisch, hinein in die Praxis. NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens hat sich gestern auf den Weg gemacht, landesweit beispielhafte Projekte zu besuchen, die sich mit dem Altwerden und einem möglichst langen, selbstbestimmten Leben beschäftigen. Ziel ist auch eine Art Masterplan für altengerechte Quartiere im Land. Eine der ersten Stationen ihrer Dialogtour, die sich bis in den September hinzieht, führte sie nach Brackwede, wo es eine Wohnanlage speziell für Senioren mit Migrationshintergrund gibt.


An der Rostocker Straße hat die Bielefelder Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft (BGW) nach dem von ihr entwickelten „Bielefelder Modell“ einen Neubau mit 13 öffentlich geförderten Wohnungen für Singles oder Paare errichtet, der im Oktober 2010 bezogen worden ist. Darüber hinaus stehen ein Gästeappartement und ein Wohncafé zur Verfügung. Kooperationspartner ist der Verein Alt und Jung Süd-West, der im angegliederten Servicestützpunkt mit türkischsprechenden Mitarbeitern für Versorgungssicherheit rund um die Uhr sorgt.


BGW-Prokurist Karl-Heinz Plischke schilderte, dass es zu Beginn nicht so einfach gewesen sei, Anspruch und Wirklichkeit unter einen Hut zu bringen. „Die Migranten haben spezielle Vorstellungen und Wünsche, die berücksichtigt werden wollen.“ Dies beginne schon bei verschiedenen Begrifflichkeiten, bei den sprachlichen und kulturellen Barrieren, bei der Tatsache, dass viele einen Teil des Jahres in der Türkei verbringen. Mittlerweile sei man aber auf einem guten Weg.


Über die Schwierigkeiten und Erfolge ließ sich Barbara Steffens berichten, die gestern vom Landtagsabgeordneten Günter Garbrecht (SPD), Vorsitzender des Ausschusses Arbeit, Gesundheit und Soziales, begleitet wurde. Bislang gebe es im Land nur sehr wenige Projekte, die sich speziell mit der Versorgung älterer Migranten beschäftigen – neben Bielefeld wusste die Ministerin von einigen Modellen im Ruhrgebiet und im Raum Köln zu berichten. „Wir brauchen auch für diese Menschen ein adäquates Angebot“, so Steffens. Erfahrungsaustausch sei daher sehr wichtig. Bernadette Bruenen (Bereich Altenhilfeplanung Bielefeld) konnte berichten, dass die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund, die 60 Jahre und älter sind, im Zeitraum von 2010 bis Ende 2011 um mehr als 60 Prozent gestiegen ist.


Sozialdezernent Tim Kähler freute sich über die Aufmerksamkeit aus Düsseldorf. „Das bestärkt uns, dass wir mit diesem Modellprojekt, das nicht das einzige bleiben wird, nicht ganz auf dem falschen Weg sind.“ Wichtig ist ihm, dass Düsseldorf auch hilft, der Präventionsarbeit im Bund bei der Rahmengesetzgebung den richtigen Stellenwert einzuräumen. Damit die Kommunen nicht nur zahlen dürften, wenn das Kind in den Brunnen gefallen sei.