Statement:

  • 05. August 2013
70% der Pflegebedürftigen in Bielefeld werden zuhause versorgt

Ambulant vor Stationär Vorrang gewähren


eigene Berechnungen nach Pflegestatistik IT NRW (xyxyxyxyxy)

70% der  Pflegebedürftigen  in Bielefeld werden zuhause versorgt
Ambulant vor Stationär Vorrang gewähren

Pflegende Angehörige benötigen Entlastung. In diesem Zusammenhang ist es zu begrüßen, dass die IKK classic  in einer Pressemitteilung auf den Anspruch auf Verhinderungspflege hinweist. Der gesetzliche Anspruch wird hier nur in einem überaus geringen Maße in Anspruch genommen.
Ein Grund mag in der Nichtinformation begründet sein, aber auch im Umfang der Leistungen. Wie alle Leistungen der Pflegeversicherung sichern sie nicht alle Kosten ab. Deshalb wäre der Hinweis auf ergänzende Hilfen der Stadt im Rahmen der „Hilfe zur Pflege“ durchaus dienlich. Im Internetangebot der Stadt  ist unter http://www.bielefeld-pflegeberatung.de/index.php?page_id=37 auch die Anzahl der zur Zeit freien Plätze für Verhinderungspflege abrufbar. Für den August sind derzeit durchgängig sechs Plätze verfügbar. Aber soweit reichte der Blick der IKK classic leider nicht.
Im Vorspann wird aber auch noch ein verzerrter Eindruck vermittelt. Die Stadt Bielefeld hat im April 2013 ihren Pflegebericht vorgelegt. Auch dieser ist abrufbar:
http://www.bielefeld-pflegeberatung.de/background/files/image/Pflegebericht%202011.pdf

Hier heißt es: „Bielefeld gehört zu den elf Kreisen und kreisfreien Städten mit der geringsten Steigerung der Pflegequote im Vergleich zu 2009.“ Und weiter: „70 Prozent aller Pflegebedürftigen werden ambulant versorgt, entweder durch Familienangehörige, durch informelle Unterstützungssystem oder durch Zuhilfenahme ambulanter Pflegedienste. 30 Prozent werden in stationären Altenpflegeeinrichtungen versorgt“ und „Trotz der Steigerung der Zahl der Pflegebedürftigen wurden in Bielefeld mehr Menschen zu Hause versorgt.“
Der Gesamtblick auf die Versorgungssituation zeigt einen deutlichen Trend in Bielefeld. „Die Verlaufsbetrachtung veranschaulicht zum einen den deutlichen Anstieg der Pflegebedürftigen. Deutlich mehr Menschen als 2003 werden durch Familienangehörige oder andere informelle Unterstützungssysteme versorgt. Dabei steigt die Zahl nicht nur absolut, sondern auch im Verhältnis zu den anderen Versorgungsformen. Die ambulante Pflege, die bis 2009 einen deutlichen Anstieg verzeichnete, wurde von 2009 zu 2011 von weniger Menschen anteilig und absolut in Anspruch genommen. Die absolute Zahl der Menschen, die stationäre Pflege in Anspruch nehmen, bleibt seit ca. 2007 nahezu auf gleichem Niveau. Mit einem Anteil der sationären Pflege von 30,4 Prozent liegt Bielefeld geringfügig über dem bundesweiten Vergleichswert, anders als im Bund oder im Land NRW sinkt dieser Anteil aber kontinuierlich und liegt 2011 um 6 Prozent unter dem Wert von 2003.

Zusammenfassend wird festgehalten:

Die Zahl der Pflegebedürftigen ist im Jahr 2011 weiter angestiegen. Auch im Verhältnis zur Steigerung der hochaltrigen Bevölkerung mit einem hohen Pflegerisiko fällt die Zunahme zurückhaltend aus. Dies hängt insbesondere mit der abnehmenden Pflegequote der über 75-Jährigen zusammen. Immer mehr Menschen können das hohe Lebensalter bei guter Gesundheit erreichen. Zunehmend mehr Pflegebedürftige werden zu Hause versorgt. Weniger Menschen als im Jahr 2009 greifen bei der häuslichen Versorgung auf die Unterstützung durch ambulante Dienste zurück. Vielmehr nimmt die alleinige Versorgung der Pflegebedürftigen durch Familienangehörige oder andere informelle Unterstützungssysteme zu. Die stationäre Versorgung Pflegebedürftiger bleibt auf einem zahlenmäßig nahezu gleichen Niveau. Dabei geht der Anteil von Menschen, die in stationären Pflegeeinrichtungen versorgt werden, in Bielefeld kontinuierlich zurück.

„Auf der Landesebene beraten wir zur Zeit ein umfassendes Gesetz zum Vorrang ambulanter Versorgungsstrukturen in NRW“, so der Abgeordnete weiter.

Wir werden dem verankerten Vorrang von ambulant vor stationär in NRW weitere Impulse geben.

Die Reform des bisherigen Landespflege und des Wohn- und Teilhabegesetzes zum "GEPA NRW" (Gesetz zur Entwicklung und Stärkung einer demographiefesten, teilhabeorientierten Infrastruktur und zur Weiterentwicklung und Sicherung der Qualität von Wohn- und Betreuungsangeboten für ältere Menschen, pflegebedürftige Menschen, Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen in Nordrhein-Westfalen) ist jedoch nicht nur aufgrund der demografischen Entwicklung dringend notwendig, sondern die heutige Pflege- und Wohnangebote entsprechen oft nicht den Bedürfnissen der Menschen. "Wir gehören alle irgendwann zur Gruppe der Älteren. Deshalb geht das Thema, wie wir im Alter leben wollen, wirklich alle an", betonte der Vorsitzende des Ausschusses für Arbeit, Gesundheit und Soziales des NRW Landtages.

Ziel der reformierten Gesetze sind soziale und pflegerische Rahmenbedingungen, die älteren Menschen mit oder ohne Pflegebedarf ein weitgehend selbstbestimmtes Leben ermöglichen.
Die Kernpunkte der Reform:

 

  • Unterstützung von Wohn- und Pflegeangeboten, die einen möglichst langen Verbleib im vertrauten Quartier sichern.
  • Reformierung der Mindeststandards für Pflege- und Wohnangebote, um auch die Gründung alternativer Wohnformen wie "Alten-WG" zu erleichtern.
  • Bedarfsorientierte ambulante Unterstützungsangebote.
  • Entlastung und Unterstützung pflegender Angehöriger.
  • Kommunen soll die Bereitstellung von Angeboten erleichtert werden, die zur Vermeidung von Pflegebedürftigkeit beitragen.
  • Unterstützung bestehender Heime bei bedarfsgerechten Modernisierungsmaßnahmen und Öffnung ins Quartier.
  • Stärkung von Beratung und Prävention.

Die Reformvorschläge wurden gemeinsam mit Verbänden, Pflegekassen, Selbsthilfegruppen und Angehörigenvertretungen erarbeitet mit dem Ziel, verstärkt die vielfältigen Lebensentwürfe älterer Menschen zu berücksichtigen und Angebote sowie Leistungen flexibler zu gestalten.

Das Gesetz ist hier abrufbar: http://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/GB_II/II.2/Gesetzgebung/Aktuell/01_Aktuelle_Gesetzgebungsverfahren/Pflegereform/index.jsp

Enttäuschend hingegen ist die Bilanz der amtierenden Bundesregierung. Außer Worten und Ankündigen ist nichts geblieben, so das Urteil aller Sachkundigen.