Statement:

  • 09. Oktober 2013
Anlässlich des internationalen Tages der seelischen Gesundheit am 10. Oktober fordert Günter Garbrecht:

Lebenssituationen erkennen – Krisenhilfe verbessern

Lebenssituationen erkennen – Krisenhilfe verbessern

Anlässlich des internationalen Tages der seelischen Gesundheit am 10. Oktober sagt Günter Garbrecht:


„In unserer Gesellschaft gehören psychische Erkrankungen, allen voran Angsterkrankungen, und Depressionen sowie Alkohol- und andere Suchterkrankungen zu den am häufigsten auftretenden Erkrankungen. Studien sprechen von ca. 8 Millionen Deutschen mit behandlungsbedürftigen psychi-schen Erkrankungen.

Auch bei Kindern ergibt sich ein deutliches Bild: Bereits heute werden mehr als ein Prozent aller Kinder und Jugendliche mit Methylphenidat (Ritalin) behandelt.

Seelische Belastungen und die daraus resultierenden Erkrankungen nehmen auch durch Stress am Arbeitsplatz zu oder durch die Sorge vor einem drohenden Jobverlust zu. Innerhalb der letzten Jahre ist ein deutlicher Anstieg an psychischen Beschwerden und Erkrankungen als Grund für Arbeitsausfall zu konstatieren. Die Zahl der Fälle von Arbeitsunfähigkeit, die auf psychische Erkrankungen wie Burn-out zurückzuführen sind, haben sich seit 1994 verdoppelt. Hinzu kommt, dass die Ausfallzeiten länger bei psychischen Erkrankungen länger sind als bei anderer Erkrankung. Auch die Angst vor Stigmatisierung verhindert häufig, dass Hilfe gezielt in Anspruch genommen werden kann. Dabei können die meisten Menschen mit einer psychischen Erkrankung heute effektiv behandelt werden.

Vor allem Suizid ist heute noch immer ein Tabu. Dabei entscheiden sich jährlich über 10.000 Menschen dafür. Das sind mehr, als durch Verkehrsunfälle, Gewalttaten, illegale Drogen und den Folgen von AIDS jährlich in Deutschland sterben. Die Anzahl der versuchten Selbsttötungen wird hierzulande auf mindestens 100.000 pro Jahr geschätzt. Gleichwohl kann man nicht davon sprechen, dass die Betroffenen sich gänzlich frei dazu entschieden hätten.
In den westlichen Industriestaaten sind es vor allem die älteren und alte Menschen, die besonders vom vollendeten Suizid betroffen sind. Hier ist eine Ursache in der Ausrichtung der Hilfeangebote zu suchen. Sie richten sich vorrangig an jüngere Menschen. Zudem ist die Bereitschaft, Hilfe anzunehmen, unter den Älteren noch geringer ausgeprägt.
Auf dieses gravierende Problem der Unterversorgung hat die Gesundheits- und Präventionspolitik noch immer nicht angemessen reagiert. Der tatsächliche Bedarf der Gesellschaft wird ignoriert. Ich bin der festen Überzeugung, dass Krisenhilfe im Alter und die damit verbundene Suizidprävention eine notwendige gesundheits- und versorgungspolitische Aufgabe in unserer Gesellschaft werden muss.“
Den internationalen Aktionstag "World Mental Health Day" gibt es seit 1992 immer am 10. Oktober. Initiator ist die World Federation for Mental Health (WFMH).