Pressespiegel:

  • 06. Februar 2006
Neue Westfälische

Trauerfeier für Johannes Rau

SPD lud ein / Knapp 200 Menschen hörten Reden von Alfred Buß und Gabriele Behler
Die Redner - der Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Alfred Buß, sowie die ehemalige NRW-Schulministerin Gabriele Behler (SPD) - führten ihren Zuhörern noch einmal vor Augen, wie auffallend anders der ehemalige Ministerpräsident des Landes NRW (1978 bis 1998) und Bundespräsident (1999 bis 2004) war.
Unter den Zuhörern - neben Johannes Delius, der die Familie von Raus Ehefrau Christina vertrat - viele in der Region und im Land bekannte Politiker, so Helga Gießelmann, Britta Haßelmann, Elfriede Eilers, Brigitte Reckmann, Pit Clausen, Axel Horstmann, Heinz Hunger, Günter Garbrecht, Bernd Brunemeier, Karl-Josef Denzer, Klaus Schwickert, Wolfgang Brinkmann und Jürgen Heinrich. Rainer Wend war verhindert.
Präses Buß erinnerte an die Verwurzelung Johannes Raus im Christentum - "seine Entscheidungen richteten sich immer nach den Maßstäben des Christentums", sagte Buß mit spürbarer Hochachtung. Bruder Johannes, wie er "liebevoll, aber auch spöttisch, immer aber anerkennend" genannt worden sei, habe gezeigt, dass die Religion sehr wohl etwas in der Politik zu suchen habe; Buß: "Das öffentliche Leben ist auf Menschen angewiesen, die tief gegründet sind." Er habe an Rau besonders geschätzt, dass dieser "fröhlich und unbeschwert" aus dem Glauben heraus gehandelt habe. Für ihn sei Rau auch "der Meister der Geschichten, Witze und Anekdoten" gewesen.
Eine Ebene, die auch Gabriele Behler mehr als einmal kennen und schätzen lernte. Für sie war Rau vor allem ein Freund der Menschen "seine Lust auf Begegnung mit anderen Menschen war unersättlich" - im Leid wie in der Freude. Er habe immer den richtigen Ton getroffen, sei glaubwürdig geblieben. "Er zog immer den ernsthaften Umgang dem öffentlichen Aufsehen vor, stand er vor der Frage ,Schlagzeile oder Diskretion?’, hat er Letzteres gewählt." Rau sei offen für den Eingang wissenschaftlicher Ergebnisse in die Politik gewesen, an der Präzision habe ihm gelegen. Eine Präzision, der Behler auch diese Anekdote zuschrieb: "Aus der Verwaltung kam ein Schriftstück zurück, an einem Wort stand, dass es so laut Duden nicht korrekt ist", berichtete Behler. Raus Antwort: "Hier irrt der Duden."