Pressespiegel:

  • Düsseldorf, 02. Oktober 2006
"Landtag Intern"

Porträt der Woche: Günter Garbrecht (SPD)

Kämpfernatur
Garbrecht
...nimmt im Landtag an Fraktions- und PLenarsitzungen teil, sitzt dem Auschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales vor, eilt zurück an den Teutoburger Wald, wo er zur Ratssitzung muss, zum TReffen der kommunalen Beschäftigungsgesellschaft REGE, deren Aufsichtsrat er vorsteht oder zur Arbeitsgemeinschaft von Stadt und Arbeitsagentur, wo er als Vorsitzender der Gesellschafterversammlung agiert. Zurück in Düsseldorf geht es in den Innenausschuss, dessen stellvertretender Vorsitzender er ist, oder in gleicher Funktion zur Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen der Landes- SPD.
Doch Garbrecht ist das Gegenteil des Politikers, der nur nach Pöstchen schielt und sich mit der Vielzahl seiner Ämter und Funktionen brüstet. Was er macht, das macht er auch richtig, dafür sorgt schon seine markante Stimme, mit der er mühelos jeden Ausfall von Mikrofonen in Sitzungssälen beliebiger Größe überspielen kann. Dabei ist es kein Zufall, dass Garbrecht sich vorwiegend da engagiert, wo es um die Sorgen und Probleme von Menschen am Rande unserer Gesellschaft geht, um Langzeitarbeitslose und Sozialhilfeempfänger, um Drogenabhängige und Pflegebedürftige. "Ich bin davon getrieben, Benachteiligungen und Ungerechtigkeiten in dieser Gesellschaft abzubauen oder wenigstens zu bekämpfen". Garbrecht stammt nicht nur aus einer SPD-Familie und ist deshalb überzeugt, dass diesen Randgruppen am ehesten durch sozialdemokratische Politik zu einem selbst bestimmten und menschenwürdigen Leben verholfen werden kann. Er hat selbst einiges von den Tiefen durchlebt und durchlitten, mit denen er sich heute als Politiker beschäftigt.
Kämpfernatur
Sein erster engerer Kontakt mit dem Bielefelder SPD-Büro galt nicht der Abgabe des Aufnahmeantrags. Zusammen mit seinen damaligen Kollegen aus der IG Metall besetzte er in den wilden Jahren der Studentenbewegung die Geschäftsstelle, um gegen die von der damaligen Großen Koalition in Berlin beschlossenen Notstandsgesetze zu protestieren. Garbrecht hatte damals gerade eine Lehre als Werkzeugmacher abgeschlossen, engagierte sich als Jugendvertreter in der Gewerkschaft und war organisiert in der Sozialistischen Jugend "Die Falken". Weil ihm der politische Kampf damals wichtiger war als geregelte Arbeit, verlor er zwischenzeitlich immer wieder mal seinen Job, schlug sich als Arbeitsloser oder mit Gelegenheitsarbeiten durch. Einen gut bezahlten Arbeitsplatz bei Miele verlor er, weil er damals im Rahmen der Aktion "Roter Punkt" an einem dreiwöchigen Streik gegen Preiserhöhungen bei Bussen und Bahn mitwirkte, der den Personennahverkehr in Ostwestfalen weitgehend stilllegte.
1972 trat Garbrecht zur Unterstützung der Ostpolitik Willy Brandts in die SPD ein. Nach einer Entziehungskur Anfang der 80er Jahre und einem zwischenzeitlichen Studium an der Hochschule für Politik und Wirtschaft in Hamburg, ging er in seinem erlernten Beruf zu einem mittelständischen Betrieb in Bielefeld, der Komponenten für die Automobilindustrie herstellt. Über die Bezirksvertretung gelangte er 1989 in den Stadtrat und hatte es nicht leicht, die Arbeit als Schichtleiter mit dem kommunalpolitischen Engagement zu verknüpfen. Zur Landtagskandidatur entschloss sich Garbrecht im Jahr 2000, "damit auch mal einer ins Parlament kommt, der selbst am Schraubstock gestanden hat und nicht nur Gewerkschaftssekretäre".
Zum Abschalten und Entspannen geht Garbrecht mindestens einmal in der Woche in die Sauna. "Wenn Du 20 Minuten bei 100 Grad geschwitzt hast, dann denkst Du nicht mehr an Politik." Und wenn am Wochenende einmal keine Termine, keine Sitzungen und keine Kongresse auf dem Kalender stehen, dann geht er in Bielefeld auf den Markt, kauft ein und kocht abends für seine Freunde.