Pressespiegel:

  • 29. Dezember 2006
Neue Westfälische

„Mehr Arbeitnehmer in die Parlamente“

Interview mit Günter Garbrecht
Garbrecht
Garbrecht im Interview mit Peter Jansen (Neue Westfälische)
NW: Immer mehr Arbeitnehmer kehren der SPD den Rücken zu. Ist Ihre Partei nicht mehr sozial?

GÜNTER GARBRECHT: Wir führen das sozial nicht nur im Namen. Aber wir haben zu viel nur von Chancengerechtigkeit geredet, zu wenig von Verteilungsgerechtigkeit. Zur sozialen Gerechtigkeit gehört aber Beides. Konkret: Die Arbeitnehmer müssen stärker am Volksvermögen beteiligt werden durch höhere Löhne, Gewinn- und Kapitalbeteiligung.

NW: Das Versprechen von Ministerpräsident und NRW-CDU-Chef Jürgen Rüttgers, wer lange in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat, soll länger das höhere Arbeitslosengeld I beziehen, stößt bei Arbeitnehmern auf Zustimmung. Warum ist die SPD dagegen?

GARBRECHT: Wir wollen den Menschen Arbeit verschaffen. Frühverrentung zu Lasten der Sozialversicherung ist ein Irrweg. Gerade ältere Menschen brauchen Perspektiven. Das ist auch ökonomisch sinnvoll: Wir werden weniger, es wachsen nicht genügend Junge nach und Fachkräfte werden gebraucht.

NW: Die Forderung von Rüttgers ist bis tief in die SPD-Anhängerschaft hinein populär...

GARBRECHT: Ich weiß, dass die Verlängerung eine gewisse Sympathie findet. Aber nur bei der Überschrift, das Kleingedruckte geht zu Lasten der Jungen und der Familien.

NW: Was muss die SPD tun, um wieder als „Schutzmacht der kleinen Leute“ anerkannt zu werden, wie es Johannes Rau gesagt hat?

GARBRECHT: Es gehören mehr Arbeitnehmer in die Parlamente und weniger Beamte, weniger Geschäftsführer, Juristen und Selbständige. Parlamente müssen ein Spiegelbild der Bevölkerung sein. Wenn die SPD das beherzigt, wird sie wieder zur Schutzmacht der kleinen Leute.

NW: Was erwarten Sie von der künftigen Nr. 1 der SPD in NRW, Hannelore Kraft?

GARBRECHT: Es ist richtig, die Fraktionsvorsitzende zur SPD-Vorsitzenden und zur Spitzenkandidatin zu machen. Frauen in der Politik machen nicht alles besser, aber sie setzen andere Akzente. Hannelore Kraft ist jung und innovativ. Wenn unser personelles Angebot ergänzt wird, gehen wir in guter Verfassung in die nächsten Aufgaben.