Pressespiegel:

  • 01. Juni 2007
Neue Westfälische

Helfende Hände sind gefragt

Spargelanbauer müssen auf der Suche nach Erntehelfern nach Alternativen suchen – höhere Löhne sind keine Lösung

Paderborn/Herford. Muss der Verbraucher für deutschen Spargel künftig tief in die Tasche greifen? Laut Bild am Sonntag fehlen tausende Erntehelfer und das weiße Gemüse verrottet auf den Feldern. Das Blatt beruft sich auf das Bundeslandwirtschaftsministerium. Doch das kann diese Aussage nicht bestätigen. „Wir haben keine Erkenntnisse darüber, dass Erntehelfer fehlen. Gäbe es Probleme, dann wüssten wir davon“, so eine Sprecherin des Ministeriums.

Heinz Westkämper vom gleichnamigen Spargelhof in Paderborn hat Probleme. „Wir arbeiten mit polnischen Arbeitskräften. 18 brauchen wir zum Spargelstechen. Die haben wir beim Arbeitsamt beantragt. Gekommen sind nur 13“, so Westkämper. Deutsche Arbeitskräfte wollten die Arbeit nicht machen. „Einer von acht, die das Arbeitsamt vermittelt hat, hat ein paar Stunden gearbeitet, und das war’s.“ Zu wenige helfende Hände. Die Folge: Ein Teil des Spargels bleibt zu lange in der Erde, wächst krumm und kann nur noch zu einem niedrigeren Preis verkauft werden. Bis zu sechs Euro verdient ein Arbeiter bei Westkämper pro Stunde, plus Akkordzuschlag.

„Polen hat, was den Lohnstandard angeht, aufgeholt“, sagt Marion von Chamier vom Landwirtschaftsverband Westfalen-Lippe. „Länder wie die Niederlande oder Großbritannien sind attraktiver – auch weil die Leute da anders als in Deutschland länger als vier Monate beschäftigt werden können.“ Zudem könnten sie dort auch in anderen Bereichen als in der Landwirtschaft oder Gastronomie arbeiten, was hier nicht möglich sei.


Dafür, dass polnische Saisonarbeiter attraktivere Alternativen suchen, sprechen auch die Zahlen des Arbeitsamts Bielefeld. Für ein Viertel der dort für die Spargel- und Obsternte beantragten Arbeiter musste Ersatz gefunden werden, häufig waren drei Anläufe nötig. „Der Stundenlohn liegt in Deutschland bei 5,17 Euro, in Ländern wie Dänemark ist er deutlich höher“, sagt Jörg Krause, Pressesprecher der Arbeitsagentur Bielefeld.

„Wir raten aber schon länger dazu, auf Saisonkräfte aus Ländern wie Rumänien oder Kroatien auszuweichen“, sagt von Chamier. „Anrufe von Spargelanbauern, die Probleme haben, gab es bei uns bisher aber nicht.“

Auch der Erdbeer- und Spargelanbaubetrieb Cornelius von Laer in Herford kann nicht klagen, denn er setzt auf das Festigen der „deutsch-polnischen Erntebeziehung“. „Ich kenne zwar Betriebe, die Probleme haben. Doch wir haben einen Mann vor Ort in Polen. Die Kontakte sind so gut, dass wir immer genügend Arbeitskräfte beantragen können, die dann auch kommen“, sagt Elfried Eden, der dortige Agraringenieur.

Peter Komp, Geschäftsführer der Vereinigung der Spargelanbauer Westfalen-Lippe, sieht jedenfalls in NRW kaum Probleme. „Das ist in den einzelnen Bundesländern aber sehr unterschiedlich“, so Komp. Es sei jedoch schwieriger, polnische Arbeitskräfte zu bekommen. Für kleinere Betriebe komme es daher langfristig darauf an, ein gutes Verhältnis zu ihren Saisonarbeitern zu pflegen oder auf Kräfte anderer Länder zurückzugreifen. Große Unternehmen könnten mehr Maschinen einsetzen, um Arbeitskräfte zu sparen. Es sei unrealistisch, in Deutschland höhere Stundenlöhne zu zahlen. Komp: „Das schlägt sich auf den Spargelpreis nieder wie in anderen Ländern. Und das kann man hier nicht durchsetzen.“ Angst vor hohen Preisen müsse der Verbraucher nicht haben.