Pressespiegel:

  • Bielefeld, 28. April 2000

Ein Politiker mit Ecken und Kanten

Günter Garbrecht kandidiert in Bielefeld-Mitte für den Landtag
Der wuchtige Typ mit der durchdringenden Stimme verkörpert so gar nicht den Politiker ohne Ecken und Kanten, wie er heute nicht selten anzutreffen ist. Fast schon ist seine Erscheinung ein Anachronismus auf dem glatten politischen Parkett.

Günter Garbrecht, seit 1989 Mitglied des Rates, weiß um sein Dickschädel-Image, und ein bisschen kokettiert er auch damit. Aber dann sind da auch ganz andere, pragmatische Töne zu hören. "In der Politik wird immer nur über das Gegensätzliche geredet", sagt er. "Dabei fallen 80 Prozent der Entscheidungen im Konsens."

Kaum zu glauben, dass einer, der vor 30 Jahren von seinen Freunden noch den Spitznamen "APO-Bär" verpasst bekam, das Machbare zur politischen Maxime erhoben hat. Eigentlich war er immer eher streitbar. Garbrecht sucht sich kurzerhand eine neue Lehrstelle in Bielefeld, als er mit dem Ausbilder in seinem Betrieb in seiner Heimatstadt Bünde nicht klar kam. Er engagierte sich in der IG Metall und bei den Falken, demonstrierte gegen den Vietnamkrieg und war begeistert von der Ostpolitik Willy Brandts.

Seine politische Ochsentour begann im SPD-Ortsverein Mitte-West. 1984 hatte er sein erstes Mandat in der Bezirksvertretung Mitte, 1989 rückte er in den Rat auf, wurde zum sozialpolitischen Experten seiner Fraktion.

Jetzt hat Garbrecht den Wahlkreis 106 in Mitte und Stieghorst von Heinz Hunger übernommen, der mit Anfang 60 nicht noch einmal kandidieren wollte. "Wenn der Heinz aufhört, trete ich an", habe er seinen Hut früh in den Ring geworfen. Heinz Hunger und er unterschieden sich zwar beträchtlich in der Körpergröße, sagt der hochgewachsene Garbrecht über seinen Vorgänger, aber Hunger "hat politisch gewaltige Fußstapfen hinterlassen." Gelernt habe er schon jetzt von ihm, nicht auf der landespolitischen Wolke sieben zu schweben, sondern immer zu schauen, was in Düsseldorf für Bielefeld erreicht werden könne.

Das Erbe wiegt schwer. Der Wahlkreis verfügt zwar über viele traditionelle Arbeiterviertel, ist aber kein "sozialdemokratischer Selbstbedienungsladen". Die Grünen und ihr Promi-Kandidat Bauminister Michael Vesper holten dort vor fünf Jahren fast 20 Prozent. Wenn SPD und Grüne sich gegenseitig die Stimmen wegnehmen, könnte davon Garbrechts christdemokratischer Mitbewerber Christopher Imig profitieren. "Ich mache keinen Koalitionswahlkampf, sondern einen für die Sozialdemokraten", betont der SPD-Kandidat, der nicht auf der Landesliste abgesichert ist, vorsorglich. Und wenn es klappt, wird er doch noch ein Berufspolitiker. "Ratsarbeit und Landtagsmandat - das lässt sich mit Schichtarbeit nicht mehr vereinbaren."