Pressemitteilung:

  • Bielefeld, 24. Mai 2002
Günter Garbrecht:

&8222;Studierende ab 50 dürfen nicht mit hohen Studiengebühren belastet werden!&8220;

Garbrecht regt an, in Zeiten finanzieller Engpässe höchstens einmal darüber nachzudenken, ob man Studierende in dem Moment, wo sie erfolgreich und gut verdienend im Berufsleben stehen sollten, nicht rückwirkend zu Beiträgen an ihrer durch die Allgemeinheit finanzierten Ausbildung heranzieht: &8222;Dies könnte nicht für alle in gleichem Maße gelten, aber den wohlhabenden Richter oder Chefarzt würde eine Teilrückzahlung wohl nicht über die Maßen belasten&8220;, so Garbrecht.
Dies alles ändere jedoch nichts an der Tatsache, dass man für das Problem der Langzeitstudierenden Lösungen finden müsse. Sie aber einfach nur ab einer bestimmten Semesterzahl mit hohen Gebühren zu belasten, sei nicht konstruktiv. &8222;Wir müssen Studiengänge so abändern, dass sie auch in der Regelstudienzeit zu bewältigen sind, allein an der mangelnden Leistungsbereitschaft der Studierenden wird es wohl nicht liegen&8220;, so Garbrecht weiter. &8222;Außerdem finde ich ein Studienkontenmodell, wie es beispielsweise die Sportfakultät der Uni Bielefeld schon länger betreibt, für überlegenswert. Auf diese Weise können Studierende, die neben dem Studium Geld verdienen, ihre Seminare auf zusätzliche Semester strecken.&8220;
Die Berechnung von Gebühren für Zweit- und Aufbaustudiengänge hingegen hält Garbrecht für gerechtfertigt, wenn sie den Hochschulen zu Gute kommen und die entsprechenden Rahmenbedingungen geklärt sind: &8222;Hier denke ich vor allem an Studierende mit Fachhochschulreife, die ein FH-Studium anstelle des Abiturs auf dem 2. Bildungsweg wählen, um anschließend &8211; quasi als Zweitstudium - an die Uni zu gehen. Diese Personen sind nicht mit denen zu vergleichen, die nach einem abgeschlossenen Hochschulstudium ein weiteres Fach studieren.&8220;
Für völlig realitätsfremd hält Garbrecht die Überlegungen, Studierende ab 50 mit hohen Gebühren zu belasten. Zunächst einmal seien keine Einkommensstaffelungen vorgesehen, die die unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten berücksichtigen. Außerdem dürfe eine universitäre Fortbildung im Alter auf keinen Fall mehr kosten als vergleichbare Angebote der Volkshochschulen. Als schlagendes Argument gegen Seniorengebühren sieht Garbrecht jedoch Folgendes: &
8222;Beinahe niemand der Studierenden ab 50 strebt einen Abschluss an, weshalb es der Ehrlichkeit eines jeden überlassen bliebe, sich überhaupt einzuschreiben. Keiner der Dozenten wäre Willens oder in der Lage, dies jedes Mal am Eingang des Hörsaals zu überprüfen. Hohe Gebühren dürften also nur dazu führen, dass die Senioren gänzlich ohne Einschreibung die Veranstaltungen besuchten. Der Effekt für den Landeshaushalt wäre gleich Null.&8220;
Garbrecht hält es für dringend erforderlich, dass zur Konsolidierung des Landeshaushaltes keine &
8222;Schnellschüsse&8220; im Bildungssektor erfolgen, die mit Sicherheit nicht den erwarteten Effekt für die Landeskasse erbringen und nur verhindern, dass man nachhaltig über eine Studienreform nachdenkt, die dem Problem der Langzeitstudenten gerecht wird.