Pressespiegel:

  • 09. Januar 2008
Neue Westfälische

Feilen an der Weiterbildung

SPD-Fraktion präsentiert bei der Gildemeister AG Papier zum Fachkräftemangel

Garbrecht ist gelernter Werkzeugmacher, der Abstecher zum Bielefelder Maschinenbauer Gildemeister ist für ihn eine Reise in die eigene Vergangenheit. „1968 habe ich hier meine Facharbeiter-Prüfung gemacht.“

Diesmal steht keine Prüfung an, sondern der Besuch der SPD-Landtagsfraktion. Die Gildemeister-Erfolgsstory wollen sich die Parlamentarier aus der Nähe anschauen. Und zugleich ein Positionspapier präsentieren, das sich des Fachkräftemangels und der Möglichkeiten, diesem Mangel zu begegnen, annimmt.

Als Garbrecht bei Gildemeister feilte, war der Betrieb noch direkt neben dem Hauptbahnhof, inzwischen produziert der Weltkonzern in Brackwede – und an vielen weiteren Standorten weltweit. „Ich bin überzeugter Dezentralist“, sagt Rüdiger Kapitza, Vorstandsvorsitzender der Gildemeister AG. Einer, der auf Eigenverantwortung setzt. Und einer, der die Firma zusammenhält. „Gildemeister hat noch nie ein Werk verkauft“, sagt er. Dass die AG kein „Wasserkopf“ sei, sagt er. Auch dass das Roboterlager „der größte Mist“ war, erfahren die SPD-Parlamentarier.

Aber erst im Ausbildungsbereich ist Kapitza in seinem Element. „Du musst das Material kennenlernen“, sagt er. „Das geht nicht theoretisch und nicht am PC. Das Erfolgserlebnis muss spürbar sein“, sagt er. Sichtlich beeindruckt ist Ute Schäfer, stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende aus Lippe, vom Vorstandsvorsitzenden. „Hier wird Unternehmenskultur gelebt“, lobt sie. „Das ist der Schlüssel zum Erfolg.“ Die SPD-Fraktion nehme ein „positives Gefühl“ mit.

Dieser Eindruck fließt auch ein in ein Positionspapier, das die SPD-Fraktion im Anschluss präsentiert. Grundlage der kommenden Arbeit in Düsseldorf und Berlin soll es sein. Deshalb ist auch Klaus Brandner, neuer Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium, dabei. Fünf Punkte umfasst das Papier.

´Arbeitnehmer, Arbeitgeber, Gewerkschaften und Politik müssten die Weiterbildung gemeinsam stärken, fordert die SPD. „Ausbildung und Qualifizierung sind die beste Arbeitslosenversicherung.“

´ Weiterbildung soll nach dem Willen der SPD stärker als bisher von der Arbeitslosenversicherung finanziert werden. Die Arbeitslosenversicherung soll noch mehr zur Beschäftigungsversicherung werden.

´ Die SPD fordert einen „Nationalen Weiterbildungsfonds“.

´ Die Potenzialberatung kleiner und mittlerer Unternehmen soll durch die Landesregierung gestärkt und ausgebaut werden.

´ Erforderlich ist aus Sicht der SPD eine „Initiative für un- und angelernte Beschäftigte, um die „Beschäftigungsfähigkeit“ dieser Gruppe zu stärken.