Pressemitteilung:

  • 03. März 2008

Die Vorsitzende der NRWSPD, Hannelore Kraft erklärt zum Tod von Annemarie Renger:

Mit Bestürzung und Trauer hat die NRWSPD heute vom Tod Annemarie Rengers erfahren.
Annemarie Renger war eine der prägenden sozialdemokratischen Politikerinnen der Nachkriegszeit. „First Lady der SPD“ und „Große Dame der deutschen Politik“ sind nur zwei der zahlreichen Titel, die sich Annemarie Renger in ihrem langen politischen Leben erworben hat.

Aus einer sozialdemokratischen Familie stammend, war sie zusammen mit Kurt Schumacher maßgeblich am Wiederaufbau der SPD beteiligt und hat über Jahrzehnte mitgeholfen, die Demokratie in Deutschland auszubauen und zu stärken.
Für viele Frauen in der SPD und in ganz Deutschland war Annemarie Renger Vorbild und Grund sich politisch zu engagieren.

Von 1969 bis zu ihrem Ausscheiden 1990 vertrat sie die nordrhein-westfälische SPD im Deutschen Bundestag. Sie war von 1969 bis 1972 die erste Frau, die in den engeren Fraktionsvorstand der SPD-Fraktion einzog und wurde 1972 ebenfalls als erste Frau zur Präsidenten des Deutschen Bundestages gewählt. Bis Ende 1976 hatte sie das Amt inne und war danach bis 1990 Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages.

In den Jahren 1966-1973 war Annemarie Renger Vorsitzende des SPD-Bundesfrauenausschusses und bis 1976 Vizepräsidentin des Internationalen Rates Sozialdemokratischer Frauen in der Sozialistischen Internationale. Ihr Engagement in der Partei wie auch im Deutschen Bundestag galt der Gleichberechtigung der Frauen. Ihr Einsatz für „Gleichen Lohn für gleiche Arbeit“ ist legendär geworden, die Benachteiligung der Frauen war damals für sie ein „Grundübel der demokratischen Ordnung“.

Sie blieb auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag politisch aktiv, u. a. als Präsidentin der Vereinigung der ehemaligen Mitglieder des Deutschen Bundestages und des Europäischen Parlaments (1991-1995), als Vorsitzende der Kurt-Schumacher-Gesellschaft und als Präsidentin des Arbeiter-Samariter-Bundes. 1974 erhielt sie das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und 1991 die Buber- Rosenzweig-Medaille in Anerkennung ihrer besonderen Verdienste für den christlich-jüdischen Dialog.


Mit Annemarie Renger verliert das Land eine Politikerin von Format, eine viele Menschen beeindruckende, unverwechselbare Persönlichkeit. Sie hat für die Gleichberechtigung der Frauen in unserer Gesellschaft überaus wichtige Erfolge errungen. Ihre Lebensleistung verdient höchsten Respekt und kann uns gerade heute Orientierung und Halt vermitteln.

Wir werden Annemarie Renger stets ein ehrendes Angedenken bewahren.