Pressemitteilung:

  • Mönchengladbach, 17. Mai 2008

Grußwort von Hannelore Kraft an Seine Heiligkeit den XIV. Dalai Lama

-Es gilt das gesprochene Wort-

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich, heute mit Ihnen hier in Mönchengladbach einen wahrhaften und unerschrockenen Botschafter des Friedens begrüßen zu dürfen: Seine Heiligkeit den XIV. Dalai Lama.

Seit Wochen beherrscht der tibetisch-chinesische Konflikt die Schlagzeilen. Die Nachrichten und Bilder aus Tibet sind besorgniserregend. Die Berichte von Toten, Verletzten und Verhafteten zeugen von der dramatischen Lage. Gewalt darf aber kein Mittel sein, um Konflikten zu begegnen. Darauf hat gerade seine Heiligkeit immer wieder hingewiesen. Wir verurteilen mit ihm jegliche Gewaltexzesse – egal von welcher Seite sie ausgehen.

Das Thema des Dalai Lama sind die Menschenrechte. Er ist geradezu ein Symbol für ihre Wahrung. Dafür hat er völlig zu Recht den Friedensnobelpreis erhalten. Sein Eintreten für die gewaltfreie Lösung des tibetisch-chinesischen Konflikts ist vorbildlich und stilbildend.

Dass es seiner Heiligkeit immer um die Menschen und ihre Recht geht, hat er gerade wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Sein Einsatz für schnelle und unbürokratische Hilfe für die Opfer des Erdbebens und sein Lob für die chinesische Regierung ist ein Ausweis seiner humanitären Gesinnung und ein Signal der Versöhnung. Ich hoffe, dass diese Signal aufgegriffen wird.

Ich begrüße es ausdrücklich, dass die chinesische Regierung sich, auch ausgelöst durch einen massiven Druck des Auslandes, wieder zu Gespräche mit Vertretern des Dalai Lama trifft. Denn nur im Dialog lassen sich für alle Seiten tragfähige Lösungen erreichen. Langfristige Verbesserungen, gegenseitiges Verständnis und ein Ausgleich der Interessen lassen sich nur über gute und vertrauensvolle Gespräche erzielen. Verbale Attacken gegen den Dalai Lama helfen nicht weiter.

Seine Heiligkeit ist heute zu Besuch in Nordrhein-Westfalen. Seine Besuche hier haben eine gute Tradition. Lassen Sie mich darum an den früheren Ministerpräsidenten unseres Landes und Bundespräsidenten Johannes Rau erinnern: Er hat bei seinem Staatsbesuch im September 2003 offen betont, dass Rechtsstaat und Menschenrechte unmittelbar miteinander verbunden seien. Er hat an den chinesischen Philosophen Konfuzius erinnert, der eine staatliche Ordnung gelehrt hat, die von Achtung vor anderen Menschen geprägt ist. In einem persönlichen Ge-spräch mit dem chinesischen Staatspräsidenten hat Johannes Rau Menschenrechtsverletzun-gen gegen Einzelpersonen und Gruppen in China angesprochen und neue Umgangsformen mit dem Dalai Lama verlangt. Das zeigt: Der Einsatz für Menschenrechte und für religiöse Freiheit hat eine gute Tradition in Nordrhein-Westfalen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Dalai Lama fordert immer wieder einen gewaltfreien Weg zur religiösen und kulturellen Autonomie für sein Volk. Ich hoffe, dass der nun wieder weitergeführte Dialog zwischen ihm und der chinesischen Regierung Früchte trägt, damit er – getragen von einer breiten Unterstützung im tibetischen Volk – auf seinem Weg einer friedvollen Strategie fortfahren kann. Dies wäre zum Wohle aller Menschen auf dem Dach der Welt. Die Ereignisse in Tibet zeigen in dramatischer Weise, wie wichtig es ist, den Gedanken des Dialogs zur vertiefen und den Tibetern eine wirkliche Perspektive zu eröffnen.

Ich hoffe, dass der Besuch des Dalai Lama in Deutschland dazu beiträgt und dass die breite Unterstützung für den friedlichen Dialog durch die deutsche Öffentlichkeit Eindruck auf die Regierung in China machen wird.

Heißen sie jetzt mit mir seine Heiligkeit den XIV. Dalai Lama in Mönchengladbach herzlich willkommen.