Pressespiegel:

  • 17. März 2010
© 2010 Neue Westfälische Bielefelder Tageblatt (MW); Thomas Güntter, Mittwoch 17. März 2010

Bilder eines Menschenfreundes

SPD-Landtagsabgeordneter Günter Garbrecht holt Rau-Ausstellung nach Bielefeld

Bielefeld. Viele Menschen haben ihre ganz persönlichen Erlebnisse mit Johannes Rau. Ein Ausstellungsbesucher kommt zu Christina Rau und zeigt ihr seine eigenen Bilder von Bruder Johannes und sich. Christina Rau, die Witwe, eröffnete gestern in der Stadtbibliothek am Jahnplatz die Fotoausstellung über Johannes Rau (1931 bis 2006) mit dem Titel: „Das Leben menschlicher machen“.

Die Ausstellung sollte eigentlich zum 75. Geburtstag des ehemaligen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten und Alt-Bundespräsidenten eröffnet werden. Das aber ging nicht mehr, weil Rau zehn Tage nach seinem Geburtstag starb. Die Schau, die aus 120 Fotos, teils privat, teils aus dem Archiv des „Spiegel“, stammen, wurde so zur Retrospektive.

Gezeigt wurden sie erst im Willy-Brandt-Haus in Berlin, dann auf Spiekeroog, dem bevorzugten Feriendomizil des Ehepaares und der drei Kinder, dann in Wuppertal, der Geburtsstadt von Bruder Johannes, und dann in Düsseldorf, wo er lange als Ministerpräsident wirkte.

Der Bielefelder SPD-Landtagsabgeordnete Günter Garbrecht holte die Ausstellung nach Bielefeld. Zu der Stadt am Teutoburger Wald hat Rau ein besonderes Verhältnis. Seine Frau Christina ist eine geborene Delius (siehe NW vom gestern).

Christina korrigierte gestern bei der Eröffnung einen Passus mit NW-Text: „Mein Vater war nicht Ernst-August, sondern Eduard Delius.“ Und der konnte als einziger Mensch in ganz Deutschland von sich sagen, dass er einen Bundespräsidenten zum Schwiegervater hatte und einen Bundespräsidenten als Schwiegersohn.

Sein Schwiegervater war Gustav Heinemann, dritter Bundespräsident von 1969 bis 1974. 1952 trat der erste Bundesinnenminister Gustav Heinemann aus Protest gegen die geplante Wiederbewaffnung aus der CDU aus und gründete die Gesamtdeutsche Volkspartei (GVP). Rau wurde Mitglied und deren Kreisvorsitzender in Wuppertal. 1957 löste sich die GVP wieder auf. Rau, Heinemann und andere gingen in die SPD.

Rau und Heinemann hatten ein enges Verhältnis, was auch die Familien betraf. Johannes Rau war oft Gast in der Familie Delius. Für Oberbürgermeister Pit Clausen war es eine Ehre, die Ausstellung zu eröffnen. Man könne Rau nicht kopieren, ihn sich nur als Vorbild nehmen.