Pressespiegel:

  • Bielefeld, 05. März 2010
Westfalen-Blatt; Michael Diekmann, Freitag 05.03.2010

Kandidaten wollen 100 Lehrstellen einwerben

Landtagsmitglied Günter Garbrecht (SPD) bei AfA-Betriebsrätetreffen im Bildungswerk BAJ

Insgesamt 100 zusätzliche Ausbildungsplätze für Bielefeld wollen die drei örtlichen SPD-Landtagskandidaten in den kommenden Monaten einwerben. Günter Garbrecht (MdL) hat das Projekt jetzt am Rande eines Besuchs im Verein BAJ vorgestellt.

Auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA) hatten sich Betriebs- und Personalräte aus Bielefelder Betrieben, Einrichtungen und Verwaltungen jetzt im BAJ mit Garbrecht und den zwei SPD-Kandidaten Regina Kopp-Herr und Georg Fortmeier getroffen. Für Landespolitiker Garbrecht ist es dringende Notwendigkeit, die Situation für die Schulabgänger zu verbessern.
Nur auf den ersten Blick, erklärt Garbrecht, sehe es in der Statistik nach einem ausgeglichenen Verhältnis zwischen Schulabgängern und Auszubildenden aus. Garbrecht: »Nur 20 Prozent gehen tatsächlich in eine Ausbildung.« Der große Teil der Abgänger gehe weiter zur Schule und besuche damit genau genommen eine Warteschleife, die den Weg in den Beruf nur verschiebe. Die Verlaufsstatistik zeige dagegen deutlich eine stetig steigende Zahl an Altbewerbern, versichert der Abgeordnete. Garbrecht: »Nach dem Rückgang bei den Lehrstellen 2009 um sieben Prozent befürchte ich für 2010 einen weiteren Rückgang. Es gibt keine anders lautenden Anzeichen, die von einem Anstieg sprechen.«
Die Herausforderung, zusätzlich 100 Stellen einzuwerben, sieht Garbrecht als gemeinsame Kraftanstrengung der drei Kandidaten der SPD, die in Bielefeld und dem Altkreis Halle für den Landtag kandidieren. Würden alle regionalen Abgeordneten in den Städten und Kreisen mitmachen und je 100 Stellen einwerben, könnte man sogar 700 zusätzliche Ausbildungsplätze schaffen.
Im Beisein des SPD-Unterbezirksvorsitzenden Reinhard Wellenbrink und der BAJ-Geschäftsführerin Martina Tiltmann wünscht sich Garbrecht ein Umdenken beim entsprechenden Angebot an Lehrstellen: »Wir müssen alles mobilisieren, um Warteschleifen zu schließen.« Immerhin koste auch die Organisation dieser Warteschleifen massiv Geld, bundesweit etwa drei Milliarden Euro jährlich, während die Bertelsmann-Stiftung in einer Studie mittelfristig nur schlechte Ergebnisse prognostiziert. Da sei es, findet Garbrecht, sinnvoller, das ganze Spektrum verschiedener Lehrberufe mit unterschiedlichen Anforderungsgraden auszunutzen. Mehr als 90 Prozent der zusätzlichen Arbeitslosen in der Statistik entfallen auf unter 25-jährige Männer und Frauen. Besonders kompliziert ist die Situation in der Region Bielefeld im Vergleich zu NRW insgesamt obendrein, weil zusätzlich zu den Jugendlichen mit Migrationshintergrund im Oberzentrum der Anteil an jungen Russlanddeutschen überdurchschnittlich hoch sei, unterstreicht Garbrecht.
Die mehr als 30 Betriebsräte hatten anschließend die Möglichkeit, zusammen mit Martina Tiltmann einen Blick in die verschiedenen Ausbildungswerkstätten innerhalb des BAJ zu werfen. Neben Ausbildungsangeboten für Tischler, Maler, Gas- und Wasser-Installateure, Metallbauer, Bürokaufleute und Änderungsschneider, Gärtner oder Gastberufe gibt es im BAJ die Bereiche der auf ein Jahr angelegten Berufsvorbereitung. In einem dritten Bereich bemüht sich der Verein BAJ in Zusammenarbeit mit der städtischen Personalentwicklungsgesellschaft Rege, schulmüde Jugendliche in einem Projekt »Schule/Werkstatt« an einen geregelten Tagesablauf zu führen.