Pressemitteilung:

  • 17. April 2010
PRESSEMITTEILUNG

Auf Alkohol folgt Gewalt









Anlässlich der Veröffentlichung des Jahrbuches Sucht 2010 der
Deutschen Hauptstelle gegen Suchtgefahren (DHS) sieht der Vorsitzende des Ausschusses für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landtags NRW,
Günter Garbrecht, verstärkten Handlungsbedarf.
"Komasaufen und Gewaltexzesse werden über die Medien wahrgenommen. Allein mit stärkerer Präsenz von Ordnungskräften ist dem Problem jedoch nicht beizukommen", ist Garbrecht über-zeugt.
"Der Zusammenhang von Alkoholkonsum und Gewalt muss stärker in den Mittelpunkt rücken.






Von der DHS heißt es dazu:

"Alkoholkonsum und Gewalt sind eng miteinander verbunden.
Das Risiko, sowohl Gewalttäter als auch Gewaltopfer zu werden,
steigt durch riskanten Alkoholkonsum.

"Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2008 offenbart, dass 34,5% der schweren
und gefährlichen Körperverletzungsdelikte unter Alkoholeinfluss geschehen.
Insbesondere innerhalb der Familie wird Gewalt oftmals von Alkoholkonsum
begleitet. Meist geht die Gewalt von männlichen Familienmitgliedern
aus. In annähernd 63% der durch sexuelle, sehr schwere körperliche
und psychische Gewalt geprägten Paarbeziehungen ist Alkohol
mit im Spiel. Kinder sind von häuslicher Gewalt immer betroffen, entweder
direkt oder indirekt. Allein in 60% der Fälle sind Kinder Zeugen der
Gewaltakte. In Deutschland wachsen 2,65 Millionen Kinder und Jugendliche
unter 18 Jahren - etwa 18% dieser Altersgruppe - in so genannten
suchtbelasteten Familien auf. Jedes 3. Kind aus diesen Familien erfährt
regelmäßig Gewaltakte."

Hoher Anteil jugendlicher Tatverdächtiger unter Alkoholeinfluss
Der Anteil von Alkoholisierten unter den jugendlichen Tatverdächtigen bei
Gewalttaten liegt bei rund 25%. Laut der ESPAD-Schülerbefragung neigen
Jugendliche im Alter von 13-17 Jahren mit problematischem Alkoholkonsum
überproportional verstärkt zu Gewalttaten. Bei Jungen ist rund
ein Drittel der verübten körperlichen Gewalt durch Alkohol bedingt, bei
den Mädchen sind es sogar zwei Drittel. Längsschnittstudien konnten zudem
belegen, dass Alkoholkonsum im frühen Jugendalter mit späterem
Gewaltverhalten und umgekehrt Gewaltverhalten im frühen Jugendalter
mit späterem Alkoholkonsum einhergehen. Im öffentlichen Raum geschehen
fast die Hälfte aller Verstöße gegen die öffentliche Ordnung, wie
z.B. Ruhestörung oder Vandalismus unter Alkoholeinfluss. In einer Freiburger
Untersuchung wird hervorgehoben, dass 90% der an einer körperlichen
Auseinandersetzung beteiligten Personen zuvor Alkohol getrunken
haben."

Tabufreie Debatte des Zusammenhangs von Alkohol und Gewalt
Aufgrund reduzierter Selbstkontrolle reagieren alkoholisierte Menschen in
Konfrontationen viel eher gewalttätig als Menschen, die keinen Alkohol
getrunken haben.

Garbrecht unterstützt daher nachhaltig die Forderungen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfra-gen:

"- Präventive Maßnahmen müssen bereits im Kindes- und Jugendalter
ansetzen und problematischem Alkoholkonsum vorbeugen.
-Flächendeckende, kontinuierliche Kampagnen in der finanziellen Größenordnung
von Alkoholwerbung sind dazu notwendig.
- Die Regelungen der bestehenden Gaststättengesetze sind durchzusetzen,
wie z. B. das sog. Apfelsaftgesetz (§ 6), das Verbot, Alkohol
an Betrunkene auszuschenken (§ 20) und die Schankerlaubnis
zu versagen (§ 4), wenn der Wirt dem Alkoholmissbrauch Vorschub
leistet.
- Die Einhaltung der Jugendschutzvorschriften ist dauerhaft und kontinuierlich
zu überprüfen.
-Verstöße sind spürbar zu ahnden.
-Bei wiederholtem Fehlverhalten sind wegen erheblicher Gefährdung der
Gesundheit und öffentlichen Sicherheit Verkaufs- und Ausschankgenehmigungen
zu entziehen.
- Eine intensive Zusammenarbeit von Gewaltopferhilfe und Suchthilfe
muss gewährleistet sein, um in der Gewalt- und in der Suchthilfe erfolgreich
handeln zu können."

"Wir haben in Bielefeld ein gut ausgebautes Suchthilfesystem. Wir können aber nicht Schritt hal-ten, wenn Prävention zu wenig und der Überwachung der Schutzvorschriften nicht im notwendi-gen Maße Rechnung getragen wird", ist Garbrecht überzeugt.
Ein Alkoholverbot im Innenstadtbereich, wie es der Deutsche Städtetag fordert und andere Städte schon praktizieren, ist auch für Bielefeld der Erwägung wert.
Als einen notwendigen Schritt auf der Landesebene sieht Garbrecht nach dem Vorbild von Baden Württemberg ein nächtliches Verkaufverbot von alkoholischen Getränken.