Pressemitteilung:

  • 21. April 2010
Pressemitteilung vom 21. April

Ausbildung geht vor Greencard

Zu den Forderungen des Arbeitgeberverbandes Pflege, mit der Einführung einer Greencard ausländische Pflegefachkräfte zu gewinnen, erklärt der Ausschussvorsitzende des Landtagsausschusses für Arbeit, Gesundheit und Soziales, Günter Garbrecht:
"Eine Greencard für ausländische Pflegekräfte lehne ich ab, bevor nicht alle Möglichkeiten der Erhöhung der Ausbildung in Deutschland unternommen werden."
"Dies ist in NRW sträflich vernachlässigt worden", so Garbrecht.
In zahlreichen Anhörungen hat der Ausschuss in der Vergangenheit sich diesem Thema gewidmet.
Ein Pflegenotstand ist befürchten, wenn die Ausbildung nicht massiv intensiviert wird.
"3 Wochen vor der Wahl kommt nun Minister Laumann in die Pötte" springt aber zu kurz meint Garbrecht.
"Der 'Aktionsplan Altenpflege 2010' ist der verzweifelte Versuch der Landesregierung von ihrer bisherigen Tatenlosigkeit im Bereich der Altenpflegeausbildung abzulenken", Entscheidend sei nicht die Frage, wie viele Schulplätze in der Altenpflegeausbildung durch die Landesregierung gefördert werden, sondern wie viele Ausbildungsverhältnisse bestünden.
"In der Landesberichterstattung Gesundheitsberufe NRW 2009 weist die Landesregierung selber nach, dass die Zahl der Ausbildungsplätze in Nordrhein-Westfalen von 2000 bis 2007 um 14 Prozent zurückgegangen ist – und das bei steigendem Bedarf", sagte Garbrecht. 2015 würden mindestens 30.000 Kräfte mehr in der stationären Krankenpflege sowie der Altenhilfe und Altenpflege benötigt. In den vergangenen Jahren seien allerdings trotz dieser Prognosen in NRW Ausbildungskapazitäten in der Pflege abgebaut worden.
Vor diesem Hintergrund sei der Aktionsplan zwar eine Möglichkeit, auch ältere Menschen für die Altenpflege zu gewinnen.
Das Grundproblem aber werde damit nicht gelöst. Zurzeit müssten die ausbildenden Heime die Kosten alleine tragen und hätten so zwangsläufig einen höheren Pflegesatz. Die SPD-Fraktion habe deshalb von der Landesregierung wiederholt gefordert, sich zum drohenden Pflegenotstand zu erklären. "Nach der Landtagswahl werden wir wieder eine Umlagefinanzierung in der Ausbildung einführen, damit alle Pflegeeinrichtungen gleichermaßen an den Kosten der Ausbildung beteiligt werden", kündigt Garbrecht an.
Was in Rheinland-Pfalz geht, geht auch in Nordrhein-Westfalen.
Um Jugendliche für einen Pflegeberuf zu gewinnen sind jedoch noch weitere Schritte notwendig, wie die Steigerung der Attraktivität und Wertschätzung dieses Berufsfeldes.

Der kürzlich beschlossene Mindestlohn in der Pflege war dazu ein Beitrag.

Das Lohnniveau ist ein wichtiger Indikator für die Attraktivität und den gesellschaftlichen Stellenwert eines Berufsfeldes. Eine leistungsgerechte Vergütung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Altenpflege ist außerdem eine wichtige Voraussetzung für die Sicherung der Pflegequalität. Außerdem muss Beschäftigung in der Pflege sozialversicherungspflichtig abgesichert sein.

Außerdem müssen die Arbeitgeber aktiver werden, um die Verweildauer in den Pflegeberufen zu erhöhen. Gefragt ist hier ein modernes Personalmanagement, das gute Arbeitsbedingungen schafft. Dazu gehören betriebliche Gesundheitsförderung, Möglichkeiten zur Fort- und Weiterbildung, eine angemessene Arbeitszeitgestaltung und bedarfsgerechte Angebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
"Gute Pflege ist nicht zum Nulltarif zu haben" dieser Tatsache haben sich alle zu stellen, auch die Politik, so Garbrecht abschließend.