Pressespiegel:

  • Bielefeld, 28. April 2010
© 2010 Neue Westfälische Bielefelder Tageblatt (MW); Peter Stuckhard, Mittwoch 28. April 2010

Akuter Personalnotstand in der Altenpflege

Verband fordert Greencard / Landesregierung will Arbeitssuchende motivieren

In Deutschland fehlen derzeit 50.000 Fachkräfte in der Altenpflege. Bis 2030 wird der Bedarf weiter steigen: von jetzt 670.000 um fast 80 Prozent auf rund 1,2 Millionen Arbeitsplätze. So das Institut der Deutschen Wirtschaft. Um die Lücke schließen zu können, fordert der Arbeitgeberverband Pflege eine Greencard für ausländische Arbeitskräfte. NRW-Arbeitsminister Karl Josef Laumann (CDU) setzt auf einen „Aktionsplan Altenpflege“.

Pflegeverbandschef Thomas Greiner möchte angesichts der fehlenden Fachkräfte nicht bis 2011 warten. Bis dahin hatte die Bundesregierung im Jahr 2009 die Freizügigkeit der Arbeitnehmer aus den neuen EU-Beitrittsstaaten eingeschränkt. Es ist die allerletzte nach EU-Recht mögliche Frist. Danach können Arbeitnehmer aus allen EU-Staaten in Deutschland uneingeschränkt eine Tätigkeit aufnehmen. Greiner ist davon überzeugt, dass das Personalproblem allein mit deutschen Fachkräften nicht zu lösen ist. Deshalb sollten ausländische Pflegekräfte „ohne bürokratische Auflagen wie perfekte Sprachkenntnisse“ eine Arbeitserlaubnis (Greencard) erhalten. Außerdem fordert Greiner, die Ausbildungsvorschriften zu „entschlacken“.

Bis zu 1.000 zusätzliche Ausbildungsverhältnisse in der Pflege will hingegen die NRW-Landesregierung zusammen mit der Bundesagentur für Arbeit, den kommunalen Trägern und aus Europamitteln finanzieren. „Arbeitslose Menschen sollten sich für die Aufnahme einer Ausbildung entscheiden und damit einen Beruf mit Perspektive ergreifen“, heißt es in einer Broschüre aus dem Arbeitsministerium. Damit werde sowohl pflegebedürftigen als auch arbeitssuchenden Menschen geholfen.

Günter Garbrecht (SPD), Vorsitzender des Landtagsausschusses für Arbeit, hält Laumanns Aktion für „Wahlkampfgeklingel“. Der Aktionsplan „so knapp vor der Wahl“ sei zwar „eine Möglichkeit, auch ältere Arbeitnehmer für die Altenpflege zu gewinnen“, räumt Garbrecht ein. „Aber“, so der Sozialpolitiker, „Laumann springt zu kurz, denn das Grundproblem bleibt ungelöst.“ Zurzeit müssten die Einrichtungen, die eine Ausbildung anbieten, die Kosten dafür alleine tragen und sich dem Wettbewerb mit einem zwangsläufig höheren Pflegesatz stellen. Stattdessen sollten die Ausbildungskosten, so Garbrechts Forderung, auf alle Pflegeeinrichtungen, auch die, die nicht ausbilden, umgelegt werden. Um Jugendliche für einen Pflegeberuf zu gewinnen, müsse das Berufsfeld darüber hinaus attraktiver werden und mehr Wertschätzung erfahren. Mit dem kürzlich beschlossenen Mindestlohn sei damit ein erster Schritt getan worden. Eine Greencard für Pflegekräfte lehnt Garbrecht ab, „solange nicht alles dafür getan worden ist, mehr junge Leute in Deutschland auszubilden“. ¦ Kommentar