Pressespiegel:

  • Bielefeld, 29. April 2010
© 2010 Neue Westfälische Bielefelder Tageblatt (MW); Frank Bell, Donnerstag 29. April 2010

Kämpferischer Gabriel

SPD-Vorsitzender besucht BAJ und stimmt Mitglieder auf Wahlkampfendspurt ein

Als die Polizeibeamten Rolf Bockermann und Bernd Kukat, gefolgt von Sigmar Gabriels Berliner Limousine und einem zivilen Polizeiwagen vor dem BAJ vorfahren, stürzen die Fernsehteams von WDR, ZDF und N 24 los. „Nein, er kommt zu Fuß“, rufen Mitglieder des „Jungen Teams“ der Jusos und deuten in Richtung Nikolaus-Dürkopp-Straße. Die Teams wenden und laufen zur Kreuzung an der August-Bebel-Straße.

Dort gibt er schnell ein Interview zum Verhallten der Bundeskanzlerin in der Griechenland-Problematik. Dann begrüßt Brigitte Reckmann, Vorsitzende des Vereins BAJ, den SPD-Vorsitzenden. Während Gabriel ein dringendes Telefonat erledigen muss, macht sich Landtagsabgeordneter und -kandidat Günter  Garbrecht über die CDU lustig: „Beim Besuch von Kanzlerin Merkel in Bethel habe ich keinen Kandidaten von der CDU gesehen. Deren einzige Prominenten waren Angelika Gemkow und Bezirksvorsteher Dietrich Kögler.“


Markus Schäfer-Willenborg und Martina Tiltmann, Geschäftsführer des Vereins BAJ („Berufliche Ausbildung und Qualifizierung Jugendlicher und Erwachsener“) führten Gabriel durch die Werkstätten im ehemaligen Dürkopp-Gebäude. Gabriel ist selbst Lehrer in der Berufsausbildung bei einem Projekt des Bildungsverbandes der Volkshochschulen Niedersachsen und der IG Metall: „Ich kenne mich in der beruflichen Bildung aus. Mein Vertrag als angestellter Lehrer nach BAT III ruht derzeit. Aber alle Mitarbeiter meines Ausbildungsvereins wählen SPD, damit ich nicht wiederkomme.“ Gabriel nimmt sich Zeit für Gespräche, fragt nach Hintergründen und Perspektiven, spricht mit Deniz Türkehöle und Marvin Langenband, die in der Metallwerkstatt eine Ausbildung zum Konstruktionstechniker absolvieren. Savas Sam (18) ist in der Berufsfindung, hat sich aber entschieden, Friseur zu werden bei Ausbilderin Sonja Hesse: „Ich warte auf meine Ergebnisse, ob ich reif für den Beruf bin.“ Er sei wieder motiviert, nachdem er familiäre Probleme gehabt habe. „Was macht mehr Spaß, Frauen oder Männer zu frisieren“, fragt Gabriel. Antwort von Ogezhan Kocayel und Büsra Dizdar: „Frauen!“


Zwei Stunden später stimmt er die Bielefelder SPD in der Hechelei kämpferisch auf den Wahlkampf-Endspurt ein, rechnet mit Bildungs-, Wirtschafts-, Gesundheits- und Finanzpolitik von CDU und FDP in Land und Bund ab: „Die Landtagswahl ist zu gewinnen, wenn die Menschen nicht zuhause bleiben. Ihr alle müsst mithelfen, damit sie verstehen, dass es um ihre eigenen Interessen geht.“


Es gebe zwei fundamentalistische Parteien. Die Linke im Westen („viele Verrückte“), die ein Recht auf Rausch und eine „Verstaatlichungsorgie“ propagiere und die FDP („allerdings nicht in Bielefeld“), die mit den alten Idealen des Liberalismus nichts mehr zu tun habe. Er gibt aber mit Blick auf die Mindestlohndebatte auch zu: „Wir müssen einen wichtigen Teil unserer Politik korrigieren, sonst wären wir nicht bei 23 Prozent in der Wählergunst gelandet.“