Pressespiegel:

  • Bielefeld, 03. Mai 2010
© 2010 Neue Westfälische Bielefelder Tageblatt (MW), Montag 03. Mai 2010

Die Angst der Arbeitnehmer

Hubertus Heil, stellvertretender SPD-Chef, zum Maigespräch im Historischen Museum

Wir stecken noch in der Krise. Die Menschen arbeiten für Dumpinglöhne. Immer mehr rutschen in prekäre Arbeitsverhältnisse: Das sagt Hubertus Heil, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, beim Maigespräch im Historischen Museum. Was das bedeutet, wird klar, als Karl Ehlert spricht. Er arbeitet seit 20 Jahren im Arbeitslosenzentrum – und weiß Schauerliches zu berichten.

Zum Maigespräch hat Günter  Garbrecht, Landtagskandidat der Bielefelder SPD, Annelie Buntenbach, Mitglied im Bundesvorstand des DGB, Karl Ehlert und Hubertus Heil eingeladen. Und der kommt immer gern nach Bielefeld: „Ich freue mich, Bielefeld zu besuchen, weil ich hier gute Freunde habe.“ Weniger erfreulich sind die Themen, über die man sich im Vortragssaal des Museums unterhält. „Wir stecken noch mitten in der Krise“, sagt Hubertus Heil. Viele Betriebe seien bei weitem noch nicht ausgelastet. Dann lobt er die Arbeit der Gewerkschaften in der schweren Zeit, die „für die Kollegen vor Ort für ordentliche Tarifabschlüsse gekämpft haben“. Die Plage im Land seien nicht die Betriebsräte, sondern die FDP mit ihren irrsinnigen Ideen.


Seien die Löhne zu niedrig, fehle die nötige Investitionskraft, die das Land dringend brauche. Nur höhere Löhne, zusammen mit einer dynamischen Wirtschaftspolitik, würden das Land weiterbringen. „Es kann nicht sein, dass gerade jene Menschen, die unmittelbar für andere Menschen arbeiten, etwa Altenpfleger oder Friseure, nicht angemessen entlohnt werden.“


Noch dringlicher bearbeitet werden müsse das Thema Langzeitarbeitslosigkeit. „In den Argen liegt vieles im argen“, frotzelt Heil. Er fordert Hilfe aus einer Hand.


„Da müssen Behördengänge doppelt und dreifach erledigt werden, weil keiner weiß, wer sachlich zuständig ist, Bund oder Kommunen. „Wir brauchen einen einheitlichen Personalkörper.“


Und dann kommt Karl Ehlert mit seinen Berichten von Menschen, die psychisch und physisch am Ende sind. Die sich nicht trauen, sich zu wehren, aus Angst vor den Sanktionen, die ihnen blühen, wenn sie nicht jedes zumutbare Arbeitsangebot annehmen.


„Und dann wird ihnen noch eingeredet, die Arbeitslosigkeit sei ihr individuelles Problem. Das stimmt aber nicht. Es ist ein strukturelles Problem.“ Wobei ihm schon klar sei, dass jemand nach eineinhalb Jahren Arbeitslosigkeit oft nicht mehr wie das blühende Leben in die Personalbüros tänzele.