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  • Bielefeld, 03. Mai 2010
© 2010 Neue Westfälische Bielefelder Tageblatt (MW), Montag 03. Mai 2010

1. Mai - Günter Garbrecht marschiert ganz vorne mit!

Bielefelder Grünen-Politikerin spricht bei Maikundgebung im Ravensberger Park

Traumhaftes Wetter, ein gutgelaunter Oberbürgermeister, duftendes Grillgut, 4.000 Teilnehmer und Gäste – und doch kann man bei der Maikundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes im Ravensberger Park nicht von einer fröhlichen Zusammenkunft sprechen. Denn dort haben sich Menschen versammelt, die sich Sorgen machen.

Nachdem er sich eineinhalb Stunden lang durch Bielefelds Straßen geschlängelt hat, marschiert der Demonstrationszug am Samstag Morgen flotten Schrittes in den Ravensberger Park. Allen voran: Oberbürgermeister Pit Clausen und Hauptrednerin Annelie Buntenbach (Mitglied Bundesvorstand DGB).

Gemeinsam tragen sie das Banner mit dem Wahlspruch der Kundgebung: „Wir gehen vor – Gute Arbeit, gerechte Löhne, starker Sozialstaat“.

Mit Pit Clausen spricht nach etwa 10-jähriger Oberbürgermeister-Abstinenz wieder der erste Mann der Stadt zu den Menschen auf der Kundgebung. Und er findet die richtigen Worte. Mindestlöhne müssten dringend her, sagt Clausen. „Vollzeitbeschäftigte müssen von ihren Löhnen Leben können“, ruft er und die Zuhörer pfeifen ihm zustimmend entgegen.

Auch die Bielefelderin Annelie Buntenbach erntet bei ihrem Heimspiel reichlich Applaus. Der Druck nach unten auf dem Arbeitsmarkt müsse dringend gestoppt werden, sagt die Grünen-Politikerin.

Die Vorgabe, jeden zumutbaren Job annehmen zu müssen, treibe die Menschen in immer prekärere Arbeitsverhältnisse. „Es macht sich lähmende Angst breit“, so Buntenbach. Immer weniger Menschen trauten sich, aufzubegehren, aus Angst, das Bisschen, was sie noch haben, auch zu verlieren.

„Die Leute lassen sich immer mehr gefallen“, findet auch Zuhörerin Anja Vegelahn (Verdi). Das sei aber auch kein Wunder, wenn befristete Verträge immer mehr zur Regel würden. „Dieser Druck macht die Menschen krank“, sagt Vegelahn. „Das merke ich auch bei mir in der Firma, da fallen immer mehr Leute wegen psychischer Leiden aus.“

Und das alles fange ja schon in Kindergarten und Schule an. „Englisch lernen im Kindergarten, damit wir global mithalten können, dass ich nicht lache. Das sind Kinder, keine Lernmaschinen.“

Auch die Folgen der Finanzkrise stehen auf Buntenbachs Agenda: „Die Frage, wer die Rechnung bezahlt, ist noch nicht beantwortet.“ Nun aber die Menschen darauf einzustimmen, dass sie die Suppe auslöffeln könnten, sei falsch. „Es gibt nämlich eine Alternative. Diejenigen, die uns das eingebrockt haben, sollen auch ihren Anteil zahlen.“ Dem kleinen Mann diese Schuld aufzubürden, sei der falsche Ansatz.