Pressespiegel:

  • Bielefeld, 04. Mai 2010
© 2010 Neue Westfälische Bielefelder Tageblatt (MW), Ansgar Mönter; Dienstag 04. Mai 2010

Kinder, Kinder – und das Geld

SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft und Peer Steinbrück auf dem Rathausplatz

Jannik trägt ihn, ebenso Christian, Maik und Jan-Philipp. Die 16- bis 18-Jährigen haben sich einen Button an den Pullover gepinnt: roter Hintergrund, dazu die Parole „Nicht Rüttgers Wählen“ als neues NRW-Kürzel. Die vier Schüler sind Jusos, also bei der Jugendorganisation der SPD. Natürlich sind sie deswegen für Hannelore Kraft als Ministerpräsidentin. Aber: Da gibt es ein Aber.

„Ehrlich gesagt, ich rechne mit einer großen Koalition“, sagt Jannik mit gesenkter Stimme. Seine Freunde nicken. Ihre Wunschkoalition ist das nicht. Aber eines wäre noch schlimmer für sie: Schwarz-Grün. „Dann wäre ich sehr enttäuscht von den Grünen“, sagt Jan-Philipp. Für die Jungs ist nämlich eines ganz wichtig: eine neue Schulpolitik, das Ende der frühen Trennung der Schüler nach Leistung.

Das ist auch das Hauptthema auf der Bühne, auf der sich zunächst die Kandidaten aus den OWL-Wahlbezirken vorstellen. Schule, Schule, Gemeinschaftsschule. Die will die SPD. Und Gebührenfreiheit von der Kita bis zur Uni. „Wir werden kein Kind mehr zurücklassen“, ruft die Spitzenkandidatin den gut 350 Zuhörern entgegen.

„Das hört sich alles gut an“, sagen Sebastian Knake und Tristan Gräfen (27/26), Geschichts-Studenten aus Bielefeld. „Man fragt sich nur, warum die das nicht alles gemacht haben. Die haben doch lange regiert.“ Studiengebühren zahlen die beiden auch nicht gerne, sehen aber auch die Vorteile, die sie bringen. Beide arbeiten als Tutoren an der Uni. „Das Problem sind vor allem die Verwaltungskosten und die mangelnde Transparenz“, sagt Knake. Und die Gefahr, dass der Staat sich wegen der Gebühren aus seiner Aufgabe zurückzieht, wie das in anderen Ländern passiert sei. „Man muss auch gucken, ob die Forderungen nicht an den Finanzen scheitern“, sagt Gräfen.

Finanzen – das ist das Topthema von Peer Steinbrück, der die Zuhörer vor der Kraft-Rede von der SPD überzeugen will – aber meist gar nicht muss, weil die meisten Anwesende Mitglieder oder Anhänger sind. Der ehemalige Ministerpräsident und Bundesfinanzminister gibt richtig Stoff, kritisiert die „Irrsinns-entscheidungen“ von CDU und FDP und die „schlechteste Raubkopie von Johannes Rau“, die er kennt: Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, CDU. Steinbrück kann reden und überzeugen. „Er hat Tacheles geredet, eine hervorragende Person“, sagt Rolf Oldag. Ehefrau Ingrid stimmt zu. Dessen Format, davon ist sie überzeugt, wird Kraft auch noch erlangen.