Pressespiegel:

  • 05. November 2010
Am Donnerstag, den 4 November erschien in der NW folgender Artikel:

Mit Volldampf zu neuem Glanz

Förderschüler restaurieren alten Eisenbahnwaggon / Projekt für Hochschule Enschede


VON SANDRA SPIEKER


Mitte. Das Abschleifen ist richtig mühselig, findet Felix. Aber hinterher kommt ja die Belohnung für die harte Arbeit: das Streichen des riesigen Waggons – in dunkelgrün. „Das macht mehr Spaß. Man muss genauer arbeiten“, sagt der 15-Jährige. Gemeinsam mit acht Klassenkameraden der Förderschule am Kupferhammer restauriert er den alten Waggon „B3yg“ der Eisenbahnfreunde Bielefeld – innerhalb eines ungewöhnlichen Projektes.






Die Restaurierungsarbeiten sind nämlich Teil einer Forschungsarbeit von vier Studenten der Sozialpädagogik an der Hochschule Enschede. Einer von ihnen ist Eckard Ollerdissen-Birkner, Vorsitzender der Bielefelder Eisenbahnfreunde. Mit seinen Kommilitonen Jana Fleher, Marius Smits (Melle) und Sabine Streicher (Bramsche) hatte er schon ein anderes Projekt gemeinsam gemeistert. Bei der Vorbereitung auf die Bachelorarbeit fiel ihm der alte Waggon der Eisenbahnfreunde ein, der früher vom Bahnbetriebswerk als Wohn- und Werkstattwagen genutzt wurde. Die Idee: Förderschüler sollten den Waggon restaurieren und durch die handwerklichen Tätigkeiten gefördert und gefordert werden.


„Sie sollen durch die Arbeit auch in ihrem Selbstwertgefühl gestärkt werden und Sozialkompetenzen erlernen“, sagt Eckard Ollerdissen-Birkner. Dazu gehöre, zu lernen, sich auf den anderen zu verlassen, Aufträge zu erteilen und entgegenzunehmen und Durchhaltevermögen zu zeigen. Die vier Studenten der Hochschule Enschede begleiten das Projekt und dokumentieren die Arbeit per Videoaufzeichnung. Ihre Erkenntnisse wollen sie für ihre Bachelorarbeit verwenden. Ihre These: Das Projekt „Verändern durch Erleben“ trägt zur Stärkung der Jugendlichen bei. Und es kann noch mehr. „So sehen die Jugendlichen, was aus ihrer Arbeit wird und entwickeln eine Beziehung, zu dem, was sie tun“, sagt Ratsmitglied und Landtagsabgeordneter Günter Garbrecht (SPD).


Oft sei das während eines normalen Schulpraktikums nicht möglich. Das habe er selbst bei einem Praktikum vor seiner Lehre als Werkzeugmacher erfahren. Unterstützt wird das Projekt von der Stadt und mehreren Sponsoren.


13 Tage haben die Jugendlichen seit September an „ihrem“ 17 Tonnen schweren und 10 Meter langen Waggon von 1950 geschuftet. Jetzt sind die Feinarbeiten dran. Ab Dezember wird der Waggon auf dem Gelände der Eisenbahnfreunde am Ringlokschuppen ausgestellt – damit die Schüler ihren Eltern zeigen können, was sie geschafft haben.


Das Innere muss vorerst auf eine Schönheitskur warten: „Vielleicht starten wir noch ein Projekt für die Instandsetzung des Innenraums“, sagt Jana Fleher.